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Autokonzerne steigerten 2019 liquide Mittel um 6%, Marge auf niedrigstem Stand seit 2009

14.04.2020

Der Umsatz stieg 2019 um knapp ein Prozent, deutsche Konzerne verzeichneten das stärkste Umsatzwachstum. So das Ergebnis der aktuellen Studie der österreichischen Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. Für 2020 werde ein "massiver Umsatz- und Gewinneinbruch" erwartet.

Gerhard Schwartz, Partner und Sector Leader Industrial Products bei EY Österreich.

Die derzeitige Corona-Krise führt zu Schließungen von Automobilwerken auf der ganzen Welt und lässt den Neuwagenabsatz einbrechen. Massive und mehrmonatige Umsatz- und Gewinneinbrüche werden die Folge sein. Bei der Bewältigung der aktuellen Krise können die Autokonzerne allerdings auf ein großes Finanzpolster zurückgreifen: Zum Jahresende 2019 verfügten die 17 größten Autokonzerne der Welt über liquide Mittel in Höhe von 226 Milliarden Euro – knapp sechs Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die höchste Liquidität wies Toyota mit knapp 31 Milliarden Euro aus, gefolgt von Volkswagen mit knapp 26 Milliarden Euro, bei Honda und Daimler waren es 20 bzw. 19 Milliarden Euro.

Während die Liquidität im Lauf des vergangenen Jahres insgesamt stieg, ging es beim Gewinn kräftig abwärts: Der operative Gewinn der 17 analysierten Unternehmen schrumpfte um 13 Prozent bzw. 13 Milliarden Euro auf 85 Milliarden Euro, die operative Marge ging auf 4,9 Prozent zurück und erreichte damit den tiefsten Stand seit 2009. Das sind Ergebnisse einer Analyse der Finanzkennzahlen der 17 größten Autokonzerne der Welt, die die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY quartalsweise erstellt.

„Die Corona-Krise wird in diesem Jahr zu einem nie dagewesenen Umsatz- und Gewinneinbruch führen, die Autoindustrie wird tief in die roten Zahlen rutschen“, sagt Gerhard Schwartz, Partner und Sector Leader Industrial Products bei EY Österreich. „Und selbst wenn die Beschränkungen in den kommenden Wochen und Monaten gelockert werden und Produktion und Verkauf wieder anlaufen, wird die Wirtschaft lange brauchen, um das Vorkrisenniveau zu erreichen. Denn eine deutlich gestiegene Arbeitslosigkeit, Unternehmensinsolvenzen und Einkommensverluste werden die Nachfrage dämpfen. Die Autoindustrie wird noch lange nach dem Neustart mit den Nachwirkungen der Krise kämpfen und vermutlich werden staatliche Anreize notwendig werden, um wieder Kunden in die Autohäuser zu locken.“ Schwartz betont allerdings, dass die Autokonzerne derzeit insgesamt relativ gut mit Liquidität ausgestattet seien: „Eine Produktionspause von mehreren Wochen hält die Branche aus – zumal einige Konzerne in den vergangenen Wochen bereits die Möglichkeit genutzt haben, sich mit frischem Kapital einzudecken und so weitere Liquiditätspuffer zu schaffen.“

Achillesferse Zulieferkette
Während die Stabilität der weltgrößten Autokonzerne nach Einschätzung von Schwartz auch dank staatlicher Unterstützungsmaßnahmen vorläufig gesichert sein dürfte, bereitet die Situation der kleineren Marktteilnehmer zunehmend Sorgen: „Die weltweite Automobilindustrie ist ein hochkomplexes und stark internationalisiertes System mit vielen Playern – und längst nicht alle sind so finanzstark wie die Top-Konzerne.“ Dieses System lebensfähig zu halten, sei nun die größte Herausforderung. Angesichts von Grenzschließungen und massiven wirtschaftlichen Verwerfungen, etwa in Spanien und Italien, sei dies eine Herkulesaufgabe, so Schwartz: „Wenn in einigen Wochen die Produktion hoffentlich wieder anläuft, wird sich erweisen, ob die Lieferketten gehalten haben.“ Im schlimmsten Fall stünden die Automobilwerke wenige Tage nach dem Hochlaufen wieder still, weil essenzielle Teile fehlen. Sowohl bei Zulieferern als auch bei Autohändlern fürchtet Schwartz eine Welle an Insolvenzen. „Es werden nicht alle gerettet werden können, der Trend zur Konsolidierung wird sich beschleunigen: Sobald das Schlimmste überstanden ist, werden wir Übernahmen und aus der Not geborene Fusionen sehen. Die Corona-Pandemie wird ein Katalysator für eine Marktbereinigung in vielen Segmenten werden.“

Gewinne sanken schon 2019 deutlich
Die derzeitige Krise beschleunigt einen Abwärtstrend, der sich schon länger abzeichnete: Bereits im vergangenen Jahr waren die Gewinne der Autokonzerne deutlich zurückgegangen – insgesamt um 13 Prozent, die Profitabilität war auf den niedrigsten Stand seit 2009 gesunken. „Die Margen waren schon vor der Corona-Krise stark unter Druck“, beobachtet Schwartz. Zehn der 17 analysierten Unternehmen verzeichneten Gewinnrückgänge, ein Unternehmen schrieb operativ rote Zahlen. Der Grund waren vielfach hohe Investitionen in die Elektrifizierung und Digitalisierung, aber auch Sondereffekte wie Altlasten aus der Diesel-Krise. Entsprechend hatten viele Unternehmen bereits vor Ausbruch der Pandemie einen harten Sparkurs eingeschlagen, der auch Stellenabbau vorsah. „Angesichts des aktuellen Umsatzeinbruchs kommt alles auf den Prüfstand – die Kosten müssen runter“, sagt Schwartz. Er verweist allerdings auf die Erfahrungen aus früheren Krisen: „Es darf nicht an den falschen Stellen gespart werden. Strategisch wichtige Projekte, etwa in den Bereichen Elektrifizierung und Digitalisierung, müssen weiterhin höchste Priorität haben. Es wird eine Zeit nach der Krise geben – und dann werden die Unternehmen erfolgreich sein, die attraktive und wettbewerbsfähige Angebote machen können.“
 

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