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Dieser Volvo P1200 S aus dem Jahr 1958 zeigte sich bei der Überprüfung makellos. Die AVL Ditest-Diagnostiker Michael Helmert (M.) und Olaf Schänzer (r.) ­gratulieren Ennstal-Classic-Teilnehmer Alexander Deopito zu seinem bestens gepflegten Schweden, der schon 2018 Gesamtsieger wurde.

Fehlerdiagnose am Oldtimer

13.09.2021

Auf der Ennstal Classic im Juli 2021 hatten die Diagnosespezialisten von AVL Ditest alle Hände voll zu tun. Obwohl für die Fehlersuche wenig Zeit war, machten sie auch störrische Oldtimer wieder flott. 

227 Teams aus 15 Nationen waren zur Ennstal Classic 2021 angereist, die prominent besetzte Rallye führte über insgesamt 800 Kilometer über die schönsten Bergstraßen der Steiermark. Vor dem Start wurden die wertvollen Blechboliden im Diagnose-Zelt von AVL Ditest auf Herz und Nieren geprüft. Zahlreiche Teilnehmer nutzten den Service, das Zünd- und Abgasverhalten der Motoren ihrer Oldtimer zu testen. Die AVL Ditest Messtechnikexperten Michael Helmert und Olaf Schänzer überprüften den Zustand der Gemisch-Aufbereitung, kontrollierten die Leistungsentfaltung der Motoren und nahmen die Zündanlagen unter die Lupe. Fazit: Der Großteil der Klassiker erwies sich als fit für die kommenden Herausforderungen, doch bei einigen wenigen wichen die Messwerte deutlich von den Sollwerten ab, sodass dringender Handlungsbedarf bestand. Im Folgenden drei konkrete Fälle, die dank der Erfahrung der AVL Ditest Profis zum Glück gelöst werden konnten:

Fall 1:

  • Ein Triumph TR6 aus dem Jahr 1972 kommt mit unrundem Motorlauf und Zündaussetzern ins AVL Diagnosezelt.
  • Beim Anschluss an das 4-Kanal Oszilloskop Scope 1400 von AVL Ditest zeigen die Messwerte auf den ersten Blick, dass etwas mit der Zündung nicht stimmt. Das Display sollte vertikale Zacken gleicher Höhe zeigen, doch die Linien sind markant nach rechts gekippt. 
  • Der Besitzer zeigt sich überrascht, hat er doch erst kürzlich die alten, unansehnlichen Zündkabel aus Kupfer gegen nagelneue Silikon-Kohlefaserkabel getauscht.
  • Diagnosespezialist Michael Helmert klärt ihn auf: Während Kupferkabel so gut wie keinen Eigenwiderstand aufweisen, beträgt dieser bei Kohlefaserkabeln rund 1 Kilo-Ohm. Zum Glück hat der Triumph-Eigner die alten Kabel aufgehoben und tauscht diese wieder zurück. Fazit: Der TR6 läuft wieder rund, der Fall ist gelöst.

Fall 2:

  • Der nächste Patient ist ebenfalls eine britische Sportwagenikone, ein Aston Martin DB4 aus 1960. Mit letzter Kraft schafft er es ins AVL Diagnosezelt, dann lässt er sich nicht mehr starten.
  • Nach dem Anschluss an das Diagnosegerät zeigt sich, dass die Lichtmaschine ausgefallen und der Batterie damit der Saft ausgegangen ist.
  • Der Besitzer beteuert, die alte Lichtmaschine erst vor kurzem durch einen modernen Generator ersetzt zu haben. Michael Helmert klärt ihn auf, dass er es damit zwar gut gemeint habe, doch der Aston Martin mit einer modernen Lichtmaschine nichts anfangen könne.
  • Der Grund: Neue Lichtmaschinen funktionieren nur in einem Stromkreis, in dem sich eine Ladekontrolllampe befindet. Ist diese aber wie beim DB4 serienmäßig gar nicht vorhanden, verweigert der Generator seinen Dienst. Fazit: Mit dem Austausch der modernen Lichtmaschine gegen einen passenden Generator wird auch dieser Fall gelöst.  

Fall 3:

  • Der Besitzer eines Jaguar XK140 aus dem Jahr 1955 klagt über einen markanten Leistungsverlust seines Boliden und fragt die AVL Experten um Rat.
  • Beim Anschluss an das Diagnosegerät zeigt sich auf dem Bildschirm, dass die Zündwinkelverstellung nicht funktioniert. Am Oszilloskop lässt sich erkennen, dass der Zündzeitpunkt bei höheren Drehzahlen verzögert ist.
  • Die AVL Experten untersuchen daraufhin die am Zündverteiler angebrachte Unterdruckdose, über die mechanisch die Unterbrecherkontakte angesteuert werden. Dabei entdecken sie einen defekten Schlauch, der den im Vergaser erzeugten Unterdruck zum Zündverteiler leitet.
  • Ein einfacher Austausch des etwa 50 Zentimeter langen Schlauchs bringt Abhilfe, der Jaguar ist wieder bei vollen Kräften, der Fall gelöst.

Erkenntnis:

Die Erfahrungen, welche die AVL Ditest Diagnosetechniker im Vorfeld der Ennstal Classic machen, zeigen deutlich: Nicht immer sind in bester Absicht durchgeführte Restaurierungsarbeiten an historischen Fahrzeugen von Erfolg gekrönt – vor allem dann nicht, wenn vom Zahn der Zeit verschlissene Aggregate und Komponenten einfach gegen modernere und vermeintlich bessere ausgetauscht werden. So zeigt sich vor allem beim hoch komplexen und je nach Fahrzeug höchst individuell abgestimmtem Prozess der Gemischaufbereitung und Zündung, dass die Systeme von den Entwicklungstechnikern seinerzeit extrem fein ausgetüftelt wurden. So kann selbst der Austausch eines alten Kabels gegen ein neues dazu führen, dass die Parameter nicht mehr stimmen und der Oldie seinen Dienst verweigert.

 

 

 

 

Autor/in:
Peter Seipel
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