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Kia Austria-GF Bernhard Denk

Kia stärkt das klassische Autohaus

22.02.2018

Kia Austria-GF BERNHARD DENK spricht im KFZ Wirtschaft-Interview über das schwierige Jahr 2017, über die ambitionierten Ziele für heuer, über das Kia-Händlernetz und warum er der Ansicht ist, dass das klassische Autohaus Zukunft hat.

KFZ Wirtschaft: Herr Denk: Ihre Bilanz für 2017?
Bernhard Denk:
2017 war für Kia Österreich ein akzeptables Jahr, aber es ist nicht ganz so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir haben das Volumen im Vergleich zum Jahr davor minimal steigern können – präzise von 9.403 auf 9.433 Einheiten –, dabei aber Marktanteile verloren, und das ist nie gut. Exakt liegen wir jetzt bei 2,7 Prozent.

Woran liegt das primär?
Zum Teil daran, dass wir im Jahr 2016 sehr viele Caritas- Fahrzeuge ausgeliefert haben, 400 Einheiten, 2017 nur 100. Sehr positiv gestimmt haben uns aber die unterschriebenen Kaufverträge der zweiten Jahreshälfte. Wir haben einen deutlich höheren Auftragsbestand am Ende des Jahres 2017 gehabt, ein Plus von über 50 Prozent im Vergleich zum Jahr davor.

Was sind ihre drei persönlichen Ziele für 2018?
Wir wollen 10.000 Einheiten im heurigen Jahr schaffen. Das ist sozusagen unsere magische Grenze, die wir gemeinsam mit unserem Händlernetz überschreiten wollen. Abgesehen davon wollen wir unser Flottengeschäft deutlich stärken. Diesbezüglich sind wir eine Kooperation mit ALD eingegangen (Automotive Fuhrparkmanagement und Leasing; Anm. d. Red.). Und schließlich wollen wir prozessmäßig noch schlanker und effizienter mit unseren Händlern werden.

Was heißt das genau, schlanker und effizienter?
Wir haben „MySales“, das ist unser Verkaufssystem, über das wir alle Angebote und Bestellungen abwickeln. Wir werden das System um ein E-Lead-Modul erweitern, sodass der Verkäufer in der Lage ist, auf Kundenanfragen sowohl vom Arbeitsplatz wie auch von einem mobilen Endgerät aus so schnell wie möglich zu antworten und Feedback zu geben, wo der Kunde Informationen herbekommt oder zum Beispiel eine Probefahrt machen kann. Die gesamte Abwicklung soll simpler und schneller werden.

„Unser Ziel bei der Umsatzrendite für Kia-Händler: 1,5 bis 2 Prozent.“ BERNHARD DENK, GF KIA AUSTRIA

Im Flottenbereich hat Kia großes Potenzial. Der Geschäftskunden- Anteil liegt bei lediglich 20 Prozent.
Wir müssen realistisch sein. Wir werden den Anteil nicht – so wie das bei einigen großen Herstellern ist – auf 40 Prozent oder mehr steigern. Tatsächlich wollen wir aber in kleineren Schritten mittelfristig auf 25–30 Prozent im Flottensegment wachsen.

Was tun Sie dafür, um das zu erreichen?
Neben der Kooperation mit der ALD haben wir unser Flottenprogramm etwas umgestellt, hin zu größeren Fuhrparks: Wir bieten dem gesamten Kia-Händlernetz ab dem heurigen Jahr attraktive Konditionen. So erhoffen wir uns in Summe eine deutliche Steigerung.

Wie gestaltet sich Ihr Händlernetz derzeit? Gibt es noch weiße Flecken?
Unser Händlernetz ist im Prinzip österreichweit flächendeckend. Wir haben zwei White Spots: Einer ist Horn in Niederösterreich, wo wir ehrlich gesagt nicht wirklich weiterkommen. Der andere ist in Spittal an der Drau. Da führen wir mit einem potenziellen Kandidaten Gespräche, das könnte dann Anfang 2019 etwas werden.

Wie hoch ist die durchschnittliche Umsatzrendite beim Kia-Händler?
Wir liegen bei rund 1,1 bis 1,2 Prozent. Unser Ziel liegt allerdings bei zirka 1,5 bis 2 Prozent.

Was machen Sie dafür?
Ich glaube, dass unsere Modellpalette im Jahr 2018 sehr attraktiv ist. Wir haben etwa den Stonic jetzt im ersten Volljahr. Zudem werden wir im Laufe des Jahres auch die cee’d-Familie erneuern, der erste Vorbote wird bereits im Rahmen des Automobilsalons in Genf zu sehen sein. Ich denke überdies, dass Kia ein großes Potenzial bei bei umweltfreundlichen Fahrzeugen hat. Wir haben den Niro als Plug-in und Hybrid bereits jetzt im Programm, Ende dieses Jahres wird eine vollelektrische Version kommen mit einer Praxisreichweite um 330 km. Das ist somit eine echte Alternative, nicht nur ein Zweitfahrzeug. Auch beim Soul wird 2019 eine deutlich verbesserte Elektrovariante kommen. Der Absatz der Plug-in-Hybride in Österreich ist noch etwas schleppend. Da bräuchte man etwas Unterstützung von der Regierung.

Halten Sie die Öko-Prämie für wahrscheinlich?
Ich würde mich darüber freuen, für wahrscheinlich halte ich sie nicht. Die Prämie wäre sinnvoll, weil man damit die „alten Stinker“ von der Straße bringt.

Die aktuelle Kia-Modellpalette stellt Sie zufrieden?
Wir sind mittlerweile fast Vollanbieter mit dem Picanto als schicken Kleinwagen, dem Rio als attraktiven Vertreter des B-Segments, dem Stonic als kompakten SUV-Crossover und den cee’d. Den SUVBereich decken wir mit Sportage und Sorento gut ab und setzen sehr auf den Niro, das zweite Modell auf dem Markt mit allen drei Antriebsvarianten.

„Wenn die Öko- Prämie kommt, würde ich mich freuen. Für wahrscheinlich halte ich sie nicht.“ GF KIA AUSTRIA BERNHARD DENK

Der Stinger ist nur ein Prestige-Produkt?
Der Stinger ist ein Imageträger für Kia. Wir sind extrem glücklich mit dem Auto.

Wie viele Einheiten wollen Sie verkaufen?
Wir rechnen mit 40 bis 50. Wir freuen uns, wenn es 70 sind, und bei 35 vergraben wir uns auch nicht in der Erde.

Welche Vorgaben gibt es diesbezüglich an die Händler?
Der Stinger ist nicht Teil der Zielvereinbarung. Wir wollen keinerlei Druck aufbauen, sodass sozusagen die letzten drei Autos zum Ende des Jahres noch schnell rausgeschossen werden müssen. Unsere Strategie ist, über einen längeren Zeitraum ein gleichbleibendes Volumen abzusetzen.

Eine Abschlussfrage: Wie wird das Autohaus der Zukunft ausschauen?
Ich bin ziemlich überzeugt, dass es das Autohaus weitergeben wird. Es wird Zusatz-Formate geben, aber die Leute werden weiterhin ins Autohaus kommen, dort die Probefahrt absolvieren. Wir brauchen die Autohäuser, das ist meine persönliche Überzeugung. Das klassische, von einem Autohaus zum anderen gehen, um sich beraten zu lassen, das stirbt aus. Dennoch denke ich, dass das touch-and-feel auch in Zukunft vom Kunden gewollt und verlangt wird. Das Autohaus an sich hat also in jedem Fall Zukunft. Davon bin ich überzeugt.

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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