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„Nur noch fünf Jahre bis zum Durchbruch“

08.09.2015

Manfred Schrödl, Vorstand des Instituts für Energiesysteme und elektrische Antriebe an der TU Wien, ist davon überzeugt, dass die Verkehrswende vom Verbrenner zum E-Mobil schon in den nächsten fünf Jahren stattfinden wird. 

Manfred Schrödl, Vorstand des Instituts für Energiesysteme und elektrische Antriebe der TU Wien.

KFZ Wirtschaft: Herr Professor Schrödl, das Angebot an alltagstauglichen und erschwinglichen Elektroautos ist heute noch sehr bescheiden. Woran liegt das?
Manfred Schrödl: Zum einen sind die Batterien wegen der niedrigen produzierten Stückzahlen immer noch relativ teuer, und zum anderen stehen die Ingenieure bei den großen europäischen OEMs auf der Bremse. Das sind großteils gestandene Maschinenbauer, die ihre etablierte, bisher erfolgreiche Technologie nicht freiwillig aufgeben wollen.  

Wird sich daran in den nächsten Jahren etwas ändern?
Auf jeden Fall, denn die Preise für Fahrzeugbatterien sinken immer schneller. Mit der Eröffnung der Tesla Gigafactory 2016 wird es einen weiteren kräftigen Preisrutsch um voraussichtlich rund 30 Prozent geben. Die nächste Generation der Tesla-Batteriezellen wird bei gleichen Kosten etwa ein Drittel mehr Kapazität haben als die heutigen Akkus. In fünf Jahren wird ein Tesla also entweder um ein Drittel billiger zu fertigen sein oder bei gleichen Kosten wie heute 750 Kilometer weit kommen.    

Einen Tesla werden sich trotzdem nur wenige leisten können, auch wenn er um ein Drittel billiger wird …
Tesla hat für 2017 sein kompaktes Modell 3 angekündigt, das über 300 Kilometer Reichweite haben wird und um die 30.000 Euro kosten soll. Parallel dazu will Chevrolet sein Modell Bolt EV mit gleicher Leistung und Reichweite noch günstiger anbieten. Damit werden Elektroautos auch preislich konkurrenzfähig zu gut ausgestatteten Benzinern oder Dieselfahrzeugen. Statt Geld für Sportfelgen oder Ledersitze auszugeben, leiste ich mir dann eben einen Elektroantrieb.

Eine von E-Mobilitäts-Kritikern gerne gestellte Frage lautet: Wo soll der Strom herkommen, wenn alle auf E-Autos umstellen?
Tatsächlich benötigt ein E-Fahrzeug für die gleiche Strecke nur etwa ein Viertel der Energie eines Dieselfahrzeuges. Nun soll aber der Strom nicht in fossilen Kraftwerken hergestellt werden, sondern idealerweise aus nachhaltigen Quellen stammen. Bereits mit einer 40 Quadratmeter großen Photovoltaikanlage kann ich den jährlichen Strombedarf eines Haushaltes inklusive Elektroauto decken. Die Verbreitung der Elektromobilität wird daher von den Pendlern ausgehen, die ihr Auto zu Hause aufladen können.
So gesehen ist es auch nur konsequent, dass Tesla-Chef Elon Musk in seiner Gigafactory auch Stromspeicher für Haushalte produziert. In Österreich werden diese Powerwalls übrigens von der Firma Fronius vertrieben, die in Oberösterreich Photovoltaik-Wechselrichter mit Smart Meter produziert. 

Viele große europäische Hersteller versuchen derzeit, Hybridautos an den Kunden zu bringen. Ist diese Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor eine sinnvolle Übergangslösung?
Das sehe ich nicht so. Dabei kombiniert man doch nur die Nachteile der beiden Systeme. Die großen Hersteller versuchen derzeit vehement, ihre Investitionen in aufwendige Produktionsanlagen für Verbrennungsmotoren zu retten und versäumen dabei den Zug in Richtung Zukunft. Stattdessen wagen sich immer mehr kleine, innovative Firmen auf das Gebiet der E-Mobilität, denn die Technologie ist wesentlich weniger komplex und daher leichter beherrschbar. 

Autor/in:
Peter Seipel
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