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Franz Joseph Doppler und Bernd Zierhut von der Doppler Gruppe auf einer Turmöl-Tankstelle mit einem integrierten Spar express-Shop. (v.l.)

Von der Zapfstelle zum Multi-Service-Hub

15.03.2021

Die Tankstelle ist für jeden Benzinbruder ein wichtiger Ort: Es gibt Sprit, Öl und Gleich­gesinnte. Doch das Tankstellengeschäft hat sich verändert und die Zukunft hat nur mehr wenig mit ­Benzingeruch zu tun. 

"Die Tankstelle der Zukunft hat das Potenzial, sich zum Multi-Service-Hub zu entwickeln“, sagt Gernot Gollner, Leiter des Tankstellengeschäfts der OMV Österreich. Damit ist gemeint, dass die sinngebende Bezeichnung „Tankstelle“ per se bald nicht mehr das Hauptgeschäft sein wird. Bernd Zierhut, Geschäftsführer der Doppler Gruppe (Turmöl-Tankstellen), wirft eine radikale Zahl ein: „50 Prozent unserer Kunden sind keine Tankkunden.“
Hierbei sei erwähnt, dass die Doppler Gruppe schon seit vielen Jahren Spar Express-Märkte in die eigenen Tankstellen integriert und sich damit als umfangreicher Nahversorger positioniert, wie Zierhut weiter ausführt: „Wir sehen die moderne Tankstelle als Dienstleistungszentrum: Treibstoffe, Lebensmittel zu Supermarktpreisen, Post- und Paketservices und Wascheinheiten für die Fahrzeugpflege.“ In die gleiche Kerbe schlägt man bei Shell Österreich: „Jeder zweite Kunde kommt nicht zum Tanken, sondern um das Angebot und die Dienstleistungen rund um den Shop wahrzunehmen“, sagt Astrid Adamek, Leiterin des Tankstellengeschäfts von Shell.

Benzinbrunnen im Trend

Fährt man durch die Gegend, sieht man immer mehr Tankautomaten bzw. unbemannte Tankstellen. Die bemannte Tankstelle als Auslaufmodell? Bernd Zierhut von der Doppler Gruppe meint: „In den nächsten fünf Jahren wird sich die Anzahl der Tankautomaten oder, wie ich sie gerne nenne, Benzinbrunnen, verdoppeln.“ Astrid Adamek von Shell ist sich sicher, dass das große Tankstellensterben aber schon hinter uns liegt. „Die Tankstelle bleibt wichtig. Die Idee: schnell, praktisch und kundenfreundlich.“ Damit sind die erwähnten Shops und Dienstleistungsservices gefragt. 

Bei Shell kann man beispielsweise Bargeld abheben. In vielen OMW-Stationen gibt es Erste Bank-Automaten für Ein- und Auszahlungen. Neu bei Doppler und OMW sind Lieferservices. Beide Unternehmen kooperieren hier mit dem Zustelldienst Mjam. „Bei uns gibt es zehn Euro Mindestbestellwert. Dafür können sich unsere Kunden unser Shopsortiment zum gleichen Preis wie auf der Tankstelle nach Hause liefern lassen“, sagt Zierhut. Bisher werde der Service, der erst vor wenigen Wochen eingeführt wurde, sehr gut angenommen. Der Lockdown befeuere diese Entwicklung zusätzlich. OMV-Tankstellenchef Gollner sagt dazu: „Damit erschließen wir einen weiteren Distributionskanal. In einer weiteren Kooperation mit ,Too Good to Go‘ setzen wir ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung: Mit der App können Kunden nun hochwertige Produkte aus dem Viva-Shop und dem Gastro-Sortiment in Form eines Überraschungssackerls zu einem Drittel des Originalpreises ­erwerben.“

Nachhaltig in die Zukunft

Auch im Shell-Tankstellennetz sieht man einen Zug zu mehr Nachhaltigkeit. „Maßnahmen zur Müllvermeidung und Lebensmittelverschwendung sowie nachhaltige Angebote realisieren wir häufig in Kooperation mit starken Partnern. Beispielsweise haben wir, um der Flut der Einwegbecher entgegenzuwirken, mit myCoffeeCup und unseren Wiener Tankstellenbetreibern den Mehrwegbecher eingeführt. Dieses Konzept wollen wir in weiterer Folge großflächig ausrollen.“ 

Um den ökologischen Fußabdruck klein zu halten, setzen alle drei Unternehmen auf Energieeffizienz, Photovoltaik-Anlagen und ähnliche Lösungen. Spannend bleibt die Frage, welche Treibstoffe in Zukunft an der Tankstelle bezogen werden. Bei Shell rechnet man damit, dass im Rahmen der sich ausbreitenden E-Mobilität zukünftig rund ein Fünftel aller Ladungen an Tankstellen getätigt werden. „Wenn es so kommt, wie es derzeit anscheinend gewünscht ist, glaube ich, dass der fossile Treibstoff an der Tankstelle in 20 Jahren für Pkw vorbei ist. Was danach kommt, ob Strom, erneuerbare Flüssigtreibstoffe (E-Fuels) oder andere Technologien, ist aus heutiger Sicht total offen.“ Für den Doppler-Geschäftsführer ist die Tankstelle als Hotspot für Schnellladungen denkbar, aber primär an den Hauptverkehrsrouten bzw. Autobahnen. 

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Tankstelle definitiv eine Zukunft hat. Aber sie befindet sich in einem dramatischen Wandel, weg von der reinen Zapfstelle, hin zu einem Dienstleistungszentrum für die Region und deren Einwohner. In Summe also eine positive, zukunftsträchtige Entwicklung mit viel Potenzial – es ist noch lange nicht ausgezapft.
 

Autor/in:
Philipp Bednar
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