Konjunktur

Bei diesen Neuzulassungen sprengt Österreich Rekorde

Neuzulassungen
01.02.2022

Europas Automarkt steckt in der Krise, in Österreich sind die Pkw-Neuzulassungen gar auf das Niveau der 1980er Jahre gefallen. In einem Bereich wurden jedoch extreme Steigerungen gemeldet.
2021 hatten Käufer und Händler gut lachen, in Zukunft wird es beiden vergehen. Dafür wird dann der Finanzminister lachen...

Der Nutzfahrzeugmarkt hat seine eigenen Gesetze. Obwohl auch hier – ähnlich wie bei Pkw – das zweite Halbjahr eine einzige Enttäuschung gewesen ist,  sieht die Jahresbilanz 2021 gut aus: Insgesamt sind die Neuzulassungen von Nutzfahrzeugen in Europa um 9,6 Prozent gestiegen. Dies, obwohl es im Dezember den sechsten Monat in Folge Rückgänge gegeben hat und diese mit minus 8,4 Prozent auch noch recht deutlich ausgefallen sind.

Der Grund für die scheinbar gute Jahresbilanz liegt freilich nicht in einer echten Marktstärke begründet, sondern vielmehr liegt es am Basiseffekt: Das Vergleichsjahr 2020, vor allem das erste Halbjahr, in dem die Corona-Pandemie ausgebrochen war und der erste Lockdown stattgefunden hatte, war für den Nutzfahrzeugsektor schlicht und einfach derart schlecht, dass es fast nur noch bergauf gehen konnte.

1,88 Millionen Nutzfahrzeuge wurde nun 2021 zugelassen, die die Herstellervereinigung ACEA kürzlich bekannt gegeben hat. Das liegt immer noch 2,1 Millionen Stück unter dem Niveau aus dem Jahr 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Krise.

Das stärkste Wachstum gab es im Vorjahr im Segment der schweren Lkw, die EU-weit um 21,2 Prozent mehr gefragt waren als im Jahr zuvor. Das Segment der leichten Nutzfahrzeuge erlebte eine EU-weite Steigerung von 8,5 Prozent.

Österreich ist Europameister

Und in Österreich? Nun, hier schlug bei den leichten Nutzfahrzeugen ein Neuzulassungsplus von 60,9 Prozent zu Buche! Damit ist Österreich auch Europameister bei den Verkaufssteigerungen: Kein anders EU-Land hat derart starke Wachstumsraten verzeichnet.

Der Grund ist freilich kein erfreulicher: Durch die Ankündigung der Einführung der Normverbrauchsabgabe (NoVA) für leichte Nutzfahrzeuge, ist es im Jahresverlauf 2021 zu Vorzieh-Käufen von Lieferwägen und Co. gekommen, die einen regelrechten Boom ausgelöst haben.

Die Zeche muss noch bezahlt werden

Schon jetzt weiß man, dass der Einbruch auf den Fuß erfolgen wird und mit der hohen Steuerlast in Bälde ein böses Erwachen droht. Leichte Nutzfahrzeuge werden massiv teurer: Das zeigen Rechenbeispiele des Fuhrparkverband Austria (FVA): Im Jahr 2024, wo der maximale NoVA-Satz laut Regierungsplan bei 80 Prozent liegen soll, würde beispielsweise beim Transporter Opel Movano eine Preiserhöhung um 30.898 Euro zu Buche schlagen: von einem aktuellen Nettopreis von 42.647 Euro auf stolze 73.545 Euro! Das ist kein Stimmungsmacher für den Markt! 

2021 fällt Österreich derweil freilich im europäischen Neuzulassungsvergleich extrem positiv auf: Über alle Segmente schlägt immer noch ein Verkaufs-Plus von 54 Prozent zu Buche. Nur Lettland kann damit mithalten. Von den großen Märkten viel nur Spanien negativ auf (hier gab es im Gesamtjahr 2021 bei Nutzfahrzeugen sogar leichte Rückgänge der Neuzulassungen um 2,8 Prozent. Italien schaffte ein Wachstum von 15,5 Prozent, Frankreich 7,8 Prozent. Der deutsche Nutzfahrzeugmarkt stagnierte indes mit einem Plus von 0,6 Prozent.