Autoabsatz

Der schlechteste Jänner aller Zeiten

Neuzulassungen
17.02.2022

Der EU-Neuwagenmarkt kommt nicht in Fahrt. Im Gegenteil: Die Pkw-Neuzulassungen schrumpften im Jänner um weitere sechs Prozent und erreichten damit ein neues Rekordtief.
Grafik zur Entwicklung der Pkw-Neuzulassungen in  Europa
Die EU-Neuzulassungen von Pkw waren im Jänner weiter rückläufig.  , basic_html

Der Halbleitermangel hat die Autobranche nach wie vor fest im Griff. Und es ist ein Würgegriff, wie die aktuellen Verkaufszahlen dokumentieren: Im Jänner 2022 sind in der EU so wenige Neufahrzeuge zugelassen worden wie noch nie! Mit 682.596 Fahrzeugen lag der Monatswert um sechs Prozent unter dem bisherigen Rekordtief vom Jänner 2021, wie der Branchenverband Acea jetzt mitteilte. Gegenüber Jänner 2020 ergibt sich sogar ein Rückgang um 29 Prozent, wie die Experten von EY in einer Analyse betonen. 

Zuwächse in Österreich

In Österreich sind die Neuzulassungen allerdings um 10,5 Prozent auf 15.619 Pkw gestiegen. Auch einige osteuropäische Märkte sahen schöne Zuwächse - in der Slowakei  und Rumänien sind diese mit einem Plus von 72,6 bzw. 55,5 Prozent besonders kräftig ausgefallen. 

An den großen EU-Märkten Italien und Frankreich wurden hingegen jeweils knapp ein Fünftel weniger Neufahrzeuge zugelassen als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Ein Lichtblick war indes wiederum Deutschland, wo um 8,5 Prozent mehr Neuwagen zugelassen wurden. 

Abgesehen von der höchst unterschiedlichen Entwicklung einzelner Märkte ist vor allem eines bemerkenswert: An der Nachfrage mangelt es nicht, die Krise am Automarkt ist somit keine konjunkturelle Krise, sondern eine ganz spezielle. 

„Die Nachfrage ist unverändert hoch und die Auftragsbücher sind aufgrund der angestauten Anfragen der letzten zwei Jahre voll – wären die Hersteller lieferfähig, könnten deutlich mehr Neuwagen verkauft werden", erklärt Axel Preiss, Leiter Advanced Manufacturing & Mobility bei EY: „Die Probleme in der Lieferkette, im Speziellen der Mangel an Halbleitern, sind enorm. Wir haben es tatsächlich mit einer historischen Krise zu tun." Dass Autos tatsächlich geradezu „heiß begehrt" seien, zeige sowohl die hohe Nachfrage als auch die steigenden Preise bei den Gebrauchtwagen deutlich. 

E-Autos mit angezogener Handbremse

Die Chipkrise bremst indes auch die Absatzdynamik auf dem Markt für elektrifizierte Neuwagen: Der Absatz von Elektroautos und Plug-in-Hybriden stieg in den fünf größten Märkten Westeuropas (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) im Jänner um 32 Prozent. Zum Vergleich: Im gesamten Vorjahr hatte das Wachstum bei 74 Prozent gelegen. Österreich liegt mit einem Plus von 34 Prozent marginal über dem Durchschnitt der Top-5-Märkte. 

Besonders stark abgebremst wurde die Wachstumsdynamik bei Plug-in-Hybriden: Deren Absatz kletterte im Jänner in den Top-5-Märkten nur noch um elf Prozent, während bei reinen Elektroautos ein Plus von 59 Prozent verzeichnet wurde. Ähnlich ist die Situation in Österreich, wo etwa 17 Prozent der Neuwagen Plug-Ins waren, 46 Prozent hingegen reine Elektroautos.

Hyundai hui, Stellantis pfui

Im Vergleich der großen Autobauer musste im Jänner vor allem Stellantis Federn lassen. Gegenüber dem Vorjahr wurden Wagen der Marken Peugeot, Opel oder Citroën um 15,1 Prozent seltener neu zugelassen. Deutlich zulegen konnte Hyundai mit Fahrzeugen seiner gleichnamigen Marke sowie Kia: Hier stieg die Zahl der Neuzulassungen um rund 28,7 Prozent.

Düstere Prognose

Für das erste Halbjahr 2022 erwartet EY-Experte Preiss übrigens keine Besserung, auch für den weiteren Jahresverlauf prognostiziert er ein im besten Fall zaghaftes Wachstum auf weiterhin niedrigem Niveau. „Die Chipkrise wird wohl auch 2023 noch vorherrschendes Thema der Automobilbranche sein.“ Neben dem aktuellen Chipmangel kämen laut Preiss noch weitere Faktoren hinzu, wie beispielsweise geopolitische Spannungen, die hohe Inflation und der hohe Spritpreis.