VRÖ Reifentag

Wertvolle Tipps fürs Reifengeschäft

Reifen
23.03.2022

Die Zeiten werden härter, auch im Reifenhandel. Umso wichtiger ist es, effizient zu agieren und Potenziale im Zusatzgeschäft auszuschöpfen. Genau darum drehte sich der VRÖ Reifentag.
Reifenlager
Reifenlager

Mit dem österreichischen Reifenmarkt verhält es sich ein wenig wie mit dem berühmten Glas, das – je nach Eistellung des Betrachters – entweder hab leer ist oder eben halb voll. 5,3 Millionen Reifen wurden im Jahr 2019 hierzulande verlauft, im Coronakrisenjahr 2020 waren s 4,7 Millionen, 2021 wieder knapp 5,1 Millionen Stück. „Rund um dieses Niveau wird sich der Markt laut Schätzungen mittelfristig einpendeln“, sagt Michael Peschek-Tomasi. Der Geschäftsführer der Reifen Partner GmbH (point-s) hielt am VRÖ Reifentag, einer vom Verband der Reifenspezialisten Österreichs organisierten Online-Veranstaltung, einen Vortrag, der perfekt zum allgemeinen Thema der Veranstaltung „Herausforderungen für das Reifengeschäft in der Zukunft“ passte.

Reifen werden immer größer

Der Markt ist somit gesättigt, positiv betrachtet ist er immerhin stabil. Eines wird er jedoch nie sein, nämlich langweilig! Dafür sorgen laufende Innovationen und Weiterentwicklungen. „In der Reifenwelt erfolgt das Wachstum über innovativere und damit teurerer Reifen“, sagt Peschek-Tomasi. Und auch größere Reifen! Im Jahr 2020 waren etwa 14 Prozent aller in Österreich verkaufter Premiumreifen größer als 18 Zoll, 2026 werden laut Marktforschung indes bereits 25,3 Prozent der Reifen in 18 Zoll und größer produziert werden. Das heißt, dass jeder vierte produzierte Premiumreifen mindestens 18 Zoll groß sein wird. „Der klassische 206/55 R16 wird also abgelöst werden durch eine Vielzahl an 18 und 19 Zoll Dimensionen, auf denen die Autos in der Erstausrüstung ausgeliefert werden“, sagt Peschek-Tomasi. Dadurch werde der Durchschnittspreis pro Reifen deutlich steigen. Auch die Artikelvielfalt wird deutlich steigen, was wiederum entsprechend höheren Lagerbedarf mit sich bringt. Gleichzeitig aber der Platzbedarf in den Lagerdepots.

Dimensionen verändern Platzbedarf

Michael Peschek-Tomasi
Michael Peschek-Tomasi erklärt die Auswirkungen der neuen Reifendimensionen auf den Fachhandel. 

 „Durch eine Umstellung von 16 Zoll auf 18 Zoll muss man die Regale umbauen und verliert pro Regal 18,9 Prozent an Höhe. Es entfällt also jedes fünfte Regal“, erklärt Peschek-Tomasi. Anders gesagt: Die Lagerkapazitäten schwinden und müssen entsprechend ausgebaut werden. Auch in den Auslieferfahrzeugen wird mehr Platz benötigt. Und durch die höheren Reifenpreise steigt der Restlagerbestand und damit das gebundene Kapital. Laut Peschek-Tomasi kann der Restlagerbestand gleich einmal um 73 Prozent zunehmen. Kurzum, das gebundene Kapital steigt, der Ertrag der Reifenhändler sinkt. „Ich glaube, es ist vielen in der Branche nicht bewusst, wie groß diese Auswirkungen sind“, sagt der point-s-Chef.

Das Gute liegt so nah

Umso wichtiger wird es, genau zu kalkulieren, Arbeitsabläufe zu optimieren und Engpässe im Betrieb ebenso wie zusätzliche Einnahmequellen zu lokalisieren. Letzteres war das Thema eines weiteren Vortrags am VRÖ Reifentag: jenem von Peter Eisele von Flow Consulting. „Man sollte den Kunden immer auch eine Zusatzdienstleistung anbieten“, rät Eisele. Das kann beispielsweise eine Radwäsche sein oder auch das Auswuchten der Räder.

Die Königsdisziplin des Reifenhandels

Peter Eisele
Flow Consulting-Experte Peter Eisele weiß, wo rund um den Reifen noch geschäftliche Potenziale schlummern. 

Und selbstverständlich die Einlagerung von Rädern. „Das ist die Königsdisziplin und stärkt die Kundenbindung“, sagt Eisele. Obendrein könnten die eingelagerten Räder schon vor der Saison vorbereitet werden und damit die Durchlaufzeiten erhöht werden. 400 eingelagerte Sätze Räder pro Bühne sind laut Eisele jene Größe, die die Kosten gut abdecken und auch noch Raum für Investitionen schaffen. 200 Sätze seien jedenfalls zu gering, hier würde sich das Reifengeschäft nicht mehr rechnen.

400 Sätze, 20 Minuten

Bei 400 Sätzen pro Bühne könne man übrigens mit 20 Minuten pro Radwechsel rechnen. Eine Taktung von 30 Minuten sei dagegen nur bei einer größeren Anzahl an nicht eingelagerten Rädern notwendig, da diese erst ausgeladen und inspiziert werden müssen, also keine Vorarbeiten möglich sind. Jedenfalls sollte man die Einlagerungen überprüfen, um zu eruieren, ob beispielsweise neue Reifen oder Reparaturarbeiten erforderlich sind.

Wuchten, waschen, messen

Beim Wuchten rät Eisele, dies nicht nur beiläufig anzubieten und zu fragen „Sollen wir wuchten?“, sondern stattdessen genauer auf den Kunden einzugehen und beispielsweise darauf hinzuweisen, dass wuchten angebracht wäre, weil es beim letzten Mal nicht gemacht wurde. Außerdem sollte man das Wuchten sogar mehrmals anzubieten. Selbst, wenn ein Kunde im Büro dazu vielleicht nein gesagt hat, sollte der Monteur dann gegebenenfalls nochmals darauf hinweisen, dass eine Unwucht besteht, die er durch die routinemäßige Überprüfung eines Rades festgestellt hat. Meistens würden Kunden spätestens dann zustimmen und einen Auftrag erteilen.

Auch Zusatzleistungen wie eine Radwäsche oder Achsvermessung würden laut Eisele einen guten Rohertrag liefern. Die Achsvermessung sei gar „Rohertrag pur“, würde aber dennoch geradezu „stiefmütterlich behandelt“, sprich vernachlässigt. Die Radwäsche wiederum kostet, sofern man dafür einen Automaten hat, von den Betriebskosten her etwa 50 Cent bis 1 Euro pro Reifensatz. Dafür könne man aber rund 15 Euro verlangen.

„Der Waschautomat steht häufig falsch, er muss zugänglich sein und die Laufwege in der Werkstatt kurz halten“, so Eisele. Ideal seien zwei bis drei Waschautomaten, sofern man die Wäsche regelmäßig und auch für nicht eingelagerte Räder anbietet. Ab 1000 Einlagerungen sollte man laut Eisele sogar über einen automatisierten Vollautomaten nachdenken. Und noch einen Tipp hat er parat: Die Räderwäsche muss nicht der Monteur übernehmen, sondern eventuell eine günstigere Arbeitskraft, beispielsweise ehemalige Mitarbeiter, die sich vor der Saison pauschal etwas dazu verdienen könnten. So könne man die Personalkosten im Rahmen halten. Generell rät Eisele den Reifenfachhändlern eines: Sie sollten ihre Dienstleistungen selbstbewusst anbieten und auch entsprechend verrechnen.