Energieversorgung

Photovoltaik rechnet sich

Photovoltaik
24.10.2022

 
In Zeiten horrender Energiepreise sind jene Betriebe am besten aufgestellt, die auf Energieautarkie setzen. Die eigene Energieerzeugung spart Stromkosten und CO2. Wir zeigen, wie es klappen kann.
Auto Pirnbacher in St. Johann im Pongau.

Fast jeder Kfz-Betrieb hat ein Dach übern Kopf. Zig Quadratmeter Dachfläche, die bei Sonnenschein zur wertvollen Stromgewinnung genutzt werden könnte. Photovoltaikanlagen sind gerade jetzt, wo die Strompreise davon galoppieren, schwer angesagt. Wer die letzten Jahre investiert hat, konnte die Amortisationszeit durch die aktuelle Preisexplosion dramatisch verkürzen. Wie wichtig Energieunabhängigkeit sein kann, erzählt uns Alexander Moldan, Geschäftsführer von Auto Pirnbacher, der sein Autohaus in St. Johann im Pongau mit rund sieben Millionen Euro Investment zukunftsfit gemacht hat. Rund zwei Millionen Euro davon sind in die Energieunabhängigkeit investiert worden: „Wir haben eine sehr groß dimensionierte Grundwasserwärmepumpe verbaut, die das gesamte Gebäude heizt und kühlt. Am Dach haben wir eine Photovoltaikanlage mit 180 Kilowatt Peak, mit der wir den Betrieb und bis zu 30 E-Ladepunkte versorgen können.“ Acht dieser Ladepunkte sind öffentlich zugänglich und werden auch genutzt. „Für uns war von Beginn an klar, dass wir die Möglichkeiten, die wir hier am Standort haben, für die unabhängige Energiegewinnung bestmöglich nutzen wollen. Spätestens jetzt sieht man, wie richtig die Entscheidung war.“ Dabei betont Moldan, dass in der Planungsphase die Amortisationszeit keine große Rolle gespielt hat: „Keiner weiß, wie sich die Energiepreise entwickeln werden. Unabhängigkeit gibt uns einen größeren Handlungsspielraum, ungeachtet ob es sich in fünf, sieben oder zehn Jahren rechnet.“

Das kostet die Strom-Autarkie

Das Autohaus Pirnbacher ist natürlich ein Paradebeispiel. Doch auch kleinere Betriebe und jene, die bereits seit Jahrzehnten in Verwendung sind, können auf den Unabhängigkeitszug aufspringen. Mario Reitermayr von Akkumobil mit Sitz im oberösterreichischen Ottensheim, ist E-Auto- und E-Technikspezialist und rechnet vor: „Ein Kilowatt Peak kostet rund 1.000-1.200 Euro in der Anschaffung. Pro Kilowatt Peak (theoretischer Spitzenleistung der Anlage) benötigt man rund 5-7 Quadratmeter Dachfläche. Je größer die Anlage, desto günstiger ist sie in Relation.“ Für den Technikexperten läuft der Ausbau jedoch viel zu langsam: „Eigentlich müssten wir jedes Dach mit Photovoltaikanlagen zupflastern, angefangen bei öffentlichen Gebäuden. Denn eines ist klar: Eine Photovoltaikanlage rechnet sich immer. Es ist nicht die Frage ob, sondern nur wann.“ Knackpunkt derzeit: der Fachkräftemangel. „Jeder zugelassene Elektriker müsste so eine Anlage verbauen können. Das Material wäre derzeit auch verfügbar. Doch man braucht die Zustimmung des lokalen Energieanbieters, ob das Netz die geplante Anlage verträgt und dann die entsprechenden Montagearbeiten. Die Bewilligung einer solchen Anlage kann Monate dauern und die Energieanbieter forcieren das nicht gerade“, sagt Reitermayr. Denn neben der Energieabnahme über das Netz, wäre mit der Photovoltaikanlage auch die Einspeisung nötig. Und genau das kann Stromnetze vor große und teure Probleme stellen. „Ein Privatkunde hat im Schnitt einen 4-Kilowatt-Anschluss. Eine Anlage bis 4 kW Peak wird er meistens auch bewilligt bekommen. Doch Betriebe haben meistens Anschlüsse mit höheren Stromleistungen. Wenn die jetzt alle auch noch mit entsprechend hohen Kilowatt Peak-Anlagen am Dach auffahren, kann es das fragile Stromnetz an seine Grenzen bringen. Und dann ist der Frage, wer den Ausbau für ein besseres Netz zahlt. Eine spannende Frage“, sagt Reitermayr weiter.

E-Autobatterien nicht zulässig

Eine pfiffige Idee wäre es, alte E-Autobatterien als Zwischenspeicher für den selbstproduzierten Solarstrom zu nutzen, praktisch als Pufferbatterie, gerade für Kfz-Betriebe. Leider ist das laut Reitermayr zwar technisch möglich, nur eben nicht zulässig: „E-Autobatterien sind als stationärer Heimspeicher nicht erlaubt. Sie dürfen zwar verbaut im Auto in der Garage stehen, aber außerhalb des Autos – keine Chance.“ Hier wäre dringend die Politik gefragt, um bessere Lösungen zu ermöglichen. Denn die Zahl der E-Autos und derer Batterien wird in Zukunft dramatisch zunehmen. Alexander Moldan vom Autohaus in Salzburg gibt an, dass rund 15 Prozent der verkauften Neuwagen E-Autos seien – Tendenz steigend. Was ist nun zu tun? Mario Reitermayr schätzt die Lage wie folgt ein: „Auf Pump würde ich heute keine große Photovoltaikanlage montieren lassen. Aber wenn ich das Geld und die Flächen habe, macht man damit nichts falsch, denn es wird sich immer rechnen.“ Vor allem für Kfz-Betriebe, die schon bald in der Hand der nächsten Generation erfolgreich und langfristig geführt werden sollen.