Der VW Passat ist mit einem 2,0 Liter Blue Motion Turbodieselmotor ausgestattet und leistet 110 kW / 150 PS. Der neun Jahre alte Kombi hat rund 120.000 Kilometer auf dem Tacho, als sein Motor der Type CRLB deutliche Anzeichen von Schwäche zeigt. Beim Druck auf das Gaspedal bemerkt der Fahrer statt des gewohnten Turboschubs eine vergleichsweise bescheidene Beschleunigung, und der Motor klingt, als würde ihm die Luft zum Atmen abgeschnürt werden. So wird der Passat in die markenunabhängige Kfz-Werkstatt Robinig & Partner in Straßburg in Kärnten gebracht. Hier nimmt ein Diagnosekrimi seinen Lauf.

  • Kfz-Techniker Andreas Kainbacher schließt das Fahrzeug an einen Bosch-Diagnosetester an. Dieser zeigt allerdings keinen aktuellen Fehler an, und auch im Motorsteuergerät ist kein Fehler gespeichert.
  • Im nächsten Schritt werden sämtliche Istwerte auf Plausibilität geprüft, doch auch hier zeigt sich alles in scheinbar bester Ordnung.
  • Nun werden die Abgasrückführung und der Luftmassenmesser noch einmal genau unter die Lupe genommen, doch über die Istwerte kein auch hier kein Fehler festgestellt werden.
  • Kfz-Techniker Kainbacher unternimmt nun gemeinsam mit einem Kollegen eine Probefahrt, um während der Fahrt die Istwerte zu checken. Dabei fällt auf, dass die Ladelufttemperatur auf bis zu 86 Grad ansteigt.
  • Um diesen Wert zu überprüfen, unternehmen die Kfz-Techniker eine Probefahrt mit einem baugleichen Fahrzeug, dessen Motor ordnungsgemäß funktioniert, und siehe da: Die Ladelufttemperatur steigt im „gesunden“ Passat auf maximal 50 Grad.
  • Aufgrund dieser Werte schöpfen die erfahrenen Techniker Verdacht, dass das Problem am wassergekühlten Ladeluftkühler liegen könnte, der im Ansaugkrümmer integriert ist.
  • Bei der Überprüfung stellen sie fest, dass das Innere des Ladeluftkühlers durch Ablagerungen so stark verstopft ist, dass kein Kühlwasser mehr durchfließen kann.
  • Der Fehler ist somit gefunden, die Reparatur kann durchgeführt werden. Der Ladeluftkühler wird erneuert, ebenso sicherheitshalber der Heizungskühler und der Wasserkühler.
  • Zum Abschluss wird das gesamte Kühlsystem mehrfach gespült und funktioniert anschließend problemlos. Bei einer Probefahrt trumpft der Motor wieder mit voller Leistung auf, der Diagnosekrimi ist gelöst.

Erkenntnis

Moderne Fahrzeuge sind mit ihren mehrfach geteilten Kühlkreisläufen in der Lage, die Ladelufttemperatur konstant auf etwa 45 Grad zu halten. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass man die vom Hersteller vorgegebenen Intervalle einhält und das Kühlmittel regelmäßig erneuert. Der technische Hintergrund: Die Kühlflüssigkeit beinhaltet korrosionshemmende Substanzen, die sich mit der Zeit allerdings verflüchtigen. Zwar wird die Kühlflüssigkeit im Unterschied zum Motoröl nicht mechanisch verschlissen, doch wird sie im Motorbetrieb chemisch belastet, sodass die im Glysantin enthaltenen Additive abgebaut werden. Zu vermuten ist, dass die hohen Temperaturen im AGR-Kühler diesen Vorgang noch beschleunigen. Auf keinen Fall sollte man den Sollstand der Kühlflüssigkeit mit Leitungswasser auffüllen, da dieses meist Kalk enthält und dadurch die Entstehung von Ablagerungen begünstigt.  

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