Christian Beidl von der TU Darmstadt kritisierte die aktuelle Diskussion rund um Elektromobilität und Verbrennungstechnologien. „Leider erleben wir eine polarisierte unsymmetrische Diskussion zu E-Mobilität. Aber E-Antriebe und Verbrennungsmotoren ergänzen sich. Ohne speicherbare grüne Moleküle gibt es in Zukunft kein stabiles Energiesystem und ohne Technologievielfalt keine Resilienz.“ Nach Ansicht Beidls müsse die EU Fahrzeuge mit nachhaltigen Kraftstoffen bei der Bewertung ihrer Klimawirkung gleichwertig zu Elektrofahrzeugen behandeln. „Wirksamer Klimaschutz im Einklang mit wirtschaftlicher Stabilität kann ohne erneuerbare Kraftstoffe nicht gelingen.“

Wirtschaft warnt vor Technologieverboten

Auch Vertreter der Wirtschaft sprachen sich klar gegen regulatorische Einschränkungen einzelner Antriebstechnologien aus. „Innovation bedeutet Wohlstand. Technologieverbote verhindern Innovation und schaden damit uns allen“, stellte Christian Holzhauser, Obmann der Sparte Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer Wien, klar.
Wolfgang Böhm, Fachgruppenobmann der Transporteure in der Wirtschaftskammer Wien, ergänzte: „In der Transportwirtschaft zählen Pünktlichkeit und Effizienz. Die erreichen wir nur, wenn wir die besten Lösungen nutzen dürfen – dafür brauchen wir Technologieoffenheit und keine Verbote.“

Werbung
Rabatt auf SERMI-Zugang
Mit der zunehmenden Digitalisierung moderner Fahrzeuge wird der Zugang zu technischen Informationen für unabhängige Werkstätten immer wichtiger. Die SERMI-Zertifizierung schafft dafür eine europaweit einheitliche Grundlage.
mehr erfahren

eFuels als strategischer Baustein

Mehrere Vortragende verwiesen auf die zunehmende Bedeutung synthetischer Kraftstoffe für Klimaschutz, Versorgungssicherheit und geopolitische Resilienz. Jürgen Roth, Präsident der eFuel Alliance Österreich, erklärte: „Es fahren gerade einige Züge aus dem Bahnhof, die sollte die EU nicht verpassen. Nichtfossile Kraftstoffe sind ein Schlüssel zur Verminderung der Abhängigkeit von Erdölimporten und haben am meisten Reduktionspotenzial. Für ein Land wie Österreich, das schneller als die anderen klimaneutral werden will (2040 statt 2050), sind diese innovativen Kraftstoffe ein Muss.“

Auch Stephan Schwarzer, Generalsekretär der eFuel Alliance Österreich, verwies auf die strategische Bedeutung alternativer Kraftstoffe: „Eine nachhaltige Energie- und Mobilitätsstrategie muss immer auch geopolitische Risiken berücksichtigen. Europa braucht Lösungen, die nicht nur klimaverträglich, sondern auch krisenfest und global skalierbar sind.“

Industrie sieht Wettbewerbsfähigkeit gefährdet

Aus Sicht der Automobilindustrie berücksichtigen die Vorschläge der EU-Kommission die realen Marktbedingungen zu wenig. Maximilian Schwenke von der BMW Group München bezeichnete das Paket als „faktisch auf ein Verbrennerverbot hinaus“ laufend. Er betonte: „Erneuerbare Kraftstoffe sind ein unverzichtbarer Hebel – nicht nur für Neufahrzeuge, sondern vor allem auch für die bestehende Fahrzeugflotte.“

Auch Vertreter aus Politik und Interessenvertretungen forderten Nachbesserungen. Günther Kerle, Vorsitzender der Automobilimporteure und stv. Obmann des Fahrzeughandels in der WKÖ, erklärte: „Der Gesetzgeber hat auf den Kunden vergessen. Jeder Kunde hat eigene Bedürfnisse, und nicht für alle sind E-Autos die beste Lösung.“

Sorge um Europas Industriestandort

Die Diskussionen in Wien standen insgesamt unter dem Eindruck wachsender Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Industriestandorts. Zwischen Klimazielen, globalem Wettbewerb und geopolitischen Unsicherheiten brauche es aus Sicht vieler Teilnehmer rasch praktikable und technologieoffene Lösungen. „Die EU muss jetzt rasch Eckpflöcke einschlagen, um weiteren Schaden abzuwenden, Arbeitsplätze zu sichern und gleichzeitig wirksamen Klimaschutz voranzubringen“, warnte Stephan Schwarzer.