Für 65 Prozent der Befragten ist Lackierung und Karosserie ein sehr wichtiger Geschäftsbereich, weitere 20 Prozent bezeichnen ihn als wichtigen Zusatzbereich. Nur eine Minderheit lagert Lackierarbeiten überwiegend aus oder misst dem Bereich kaum Bedeutung bei. Die wirtschaftliche Relevanz ist damit klar: Wer im Kfz-Betrieb auf dieses Segment setzt, tut das mit voller Überzeugung.

Welche Bedeutung haben Lack- und Karosserieschäden für Ihren Betrieb? © ÖWV

Geschäftsentwicklung gespalten

Die Entwicklung im vergangenen Jahr zeigt ein zweigeteiltes Bild. Bei rund 45 Prozent der Betriebe hat das Geschäft zugenommen, davon bei 20 Prozent sogar stark. 38 Prozent melden eine gleichbleibende Auftragslage, lediglich 18 Prozent berichten von einem Rückgang. Der Markt wächst also insgesamt, aber nicht für alle gleich. Betriebe in Regionen mit starkem Wettbewerb oder ungünstiger Versicherungskonstellation spüren den Gegenwind deutlicher.

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Bei der Digitalisierung zeigt sich ein solides, aber selektives Bild: 55 Prozent setzen auf digitale Farbtonmessung oder Spektrometer, 35 Prozent nutzen Herstellersoftware zur Farbtonfindung, 30 Prozent digitale Mischsysteme. KI-gestützte Lösungen hingegen spielen derzeit keine Rolle, kein einziger Betrieb gab deren Nutzung an. Die Branche digitalisiert sich schrittweise, bleibt aber bei bewährten Werkzeugen. Der Einsatz künstlicher Intelligenz etwa bei der Schadensbewertung oder Farbtonoptimierung steht noch aus.

Bemerkenswert ist das Bewusstsein für Nachhaltigkeit: 33 Prozent messen ihr eine sehr große Rolle bei, 25 Prozent eine eher große. Zusammen sind das fast 60 Prozent, für die Ressourceneffizienz bei Lackierarbeiten aktiv eine Rolle spielt. Nur 15 Prozent stufen das Thema derzeit als nicht relevant ein. Angesichts steigender Materialkosten und zunehmender Umweltauflagen ist das auch betriebswirtschaftlich nachvollziehbar.

Was die Branche wirklich beschäftigt

Wir wollten von den Teilnehmenden wissen, wo sie derzeit die größten Herausforderungen sehen. Die Antworten auf diese offene Frage zeichnen ein eindeutiges Bild: Das dominierende Thema ist das Verhältnis zu den Versicherungen, und die Frustration darüber ist spürbar.

Rund ein Viertel der Antwortenden nennt Versicherungen explizit als Problem. Der Tenor: Versicherungen drücken Schäden in Richtung Totalschaden, begleichen Leistungen nur zögerlich oder schicken Gutachter, die wirtschaftlich von ihnen abhängig sind. Ein Teilnehmer schreibt, die Herausforderung sei, „dass die Versicherung den Schaden begleiche, der entstanden ist, und nicht ein von der Versicherung bezahlter Schadenbegutachter kommt, der in einem wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnis zu dieser steht und versucht, den Schaden einfach nur zu minimieren.“ Ein anderer bringt die Kostenspirale auf den Punkt: „Die ständig steigenden Lohnkosten treiben den Lackier- und Spenglerstundensatz in nicht akzeptierte Höhen. Dadurch wird schnell ein leicht zu reparierendes Fahrzeug zu einem wirtschaftlichen Totalschaden. Somit entgehen uns eine schöne Reparatur und damit auch Einnahmen.“

Hinzu kommt die Problematik moderner Fahrzeugtechnik. Teure LED-Scheinwerfer, Sensorik für Assistenzsysteme und komplexe Mehrschichtlackierungen machen selbst kleinere Schäden kostenintensiv. Ein Umfrageteilnehmer beschreibt die Situation so: „Zunehmende Matt- und Dreischichtlackierungen, die bei älteren Fahrzeugen kaum kostengünstig perfekt instand zu setzen sind. Teure Bauteile wie LED-Scheinwerfer oder Sensorik für Assistenzsysteme treiben die Kosten in die Höhe und lassen Fahrzeuge schnell zum Totalschaden werden.“ Fachkräftemangel und Auslandskonkurrenz runden das Bild ab.

Solide Basis, strukturelle Baustellen

Das Lack- und Karosseriegeschäft steht auf einer soliden Grundlage: wirtschaftlich bedeutsam, digital auf dem Weg, ökologisch sensibilisiert. Die strukturellen Probleme sind dennoch real. Die Verhandlungsmacht der Versicherungen, explodierende Ersatzteil- und Lackpreise sowie eine steigende Totalschadenquote zehren an der Ertragskraft. Betriebe, die langfristig erfolgreich bleiben wollen, werden nicht nur in Technik investieren müssen, sondern auch in kluge Verhandlungsstrategien gegenüber den Versicherungen und in die Bindung qualifizierter Mitarbeiter*innen. ■