Für die Analyse hat CarGarantie rund eine Million ausgelaufene Garantieverträge für Neu- und Gebrauchtfahrzeuge ausgewertet. Steigende Ersatzteilpreise, höhere Lohnkosten und die zunehmende technische Komplexität moderner Fahrzeuge führen dazu, dass Reparaturen immer aufwendiger und teurer werden. „Die Entwicklung bestätigt unsere Erwartungen. Schon in den vergangenen Jahren war absehbar, dass sich die Reparaturkosten aufgrund der globalen wirtschaftlichen Lage, internationaler Krisen und der immer komplexer werdenden Fahrzeugtechnologie weiter erhöhen würden. Dass wir nun die Marke von über 760 Euro erreichen, unterstreicht, wie stark die sich überlagernden Einflussfaktoren auf die Automobilbranche wirken“, erklärt Marcus Söldner, Vorstandsvorsitzender von CarGarantie.
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung bei Neuwagen. Erstmals ist mit einem Anteil von fast 20 Prozent die elektrische Anlage die kostenintensivste Baugruppe im Schadenfall. Der Motor, der in den vergangenen Jahren stets an der Spitze lag, folgt mit knapp 17 Prozent auf Rang zwei. Dahinter liegt der Kraftstoffanlage inklusive Turbolader mit rund 13 Prozent. Bei Gebrauchtwagen bleibt der Motor mit einem Anteil von über 24 Prozent zwar weiterhin die teuerste Baugruppe, allerdings erhöhen elektrische Anlagen ihren Anteil an der Schadenregulierungssumme auf fast 14 Prozent.
Diagnosekompetenz ist gefragt
Die elektrische Anlage bleibt sowohl bei Neu- als auch bei Gebrauchtwagen die am häufigsten betroffene Baugruppe. Bei Gebrauchtwagen stieg ihr Anteil auf 23 Prozent, bei Neuwagen sogar auf fast 29 Prozent. Für Werkstätten bedeutet diese Tendenz steigende Anforderungen an Diagnosekompetenz, Messtechnik und die Qualifikation der Mitarbeiter. Viele Defekte betreffen heute Sensoren, Steuergeräte oder komplex vernetzte Systeme, deren Fehleranalyse deutlich aufwendiger ist als bei mechanischen Komponenten.
Die steigenden Reparaturkosten wirken sich zunehmend aber auch auf das Kundenverhalten aus. Laut DAT-Report 2026 geben knapp 60 Prozent der Fahrzeughalter an, aufgrund der hohen Kosten Werkstattbesuche seltener wahrzunehmen.


