Ayvens ist durch den Zusammenschluss von ALD Automotive und LeasePlan entstanden und ein weltweit führender Anbieter nachhaltiger Mobilität. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 13.000 Mitarbeiter in 41 Ländern und verwaltet 3,1 Millionen Fahrzeuge. Ayvens verfügt über die weltweit größte Mehrmarken-Elektrofahrzeugflotte. Der Konzern will damit den Weg zur Klimaneutralität unterstützen und die digitale Transformation der Mobilitätsbranche vorantreiben.
KFZwirtschaft: Welche Leistungen sind für Händler konkret relevant, etwa bei der Abwicklung von Wartungsverträgen?
Lorenz Loidl: Für Händler ist der Mehrwert vor allem praktisch: Leasing, Servicebausteine, digitale Prozesse und Unterstützung im Tagesgeschäft. Wichtig ist das Full-Service-Modell: Finanzierung, Wartung, Reparatur, Reifen, Versicherung, Pannenhilfe und Schadenmanagement können in einem Paket gebündelt werden. Das macht Abläufe einfacher und schafft für Händler wiederkehrende Servicekontakte. Der Nutzen für den Handel liegt in höherer Planbarkeit, zusätzlichen Servicekontakten und einer stärkeren Integration des Fahrzeugs über den gesamten Nutzungszyklus.
Wie entwickelt sich der Leasingmarkt in Österreich?
Der österreichische Leasingmarkt ist stabil und stark. Laut VÖL ist 2025 mehr als jedes zweite Fahrzeug leasingfinanziert worden. Noch klarer wird es bei Firmenfahrzeugen: Dort lag die Leasingquote 2025 bei 67,4 Prozent. Das zeigt, wie wichtig Leasing für Unternehmen in Österreich geworden ist. Für viele Betriebe ist diese Finanzierungsart schlicht der Weg zu planbaren Mobilitätskosten.
Welche Auswirkungen haben Preisveränderungen auf Finanzierung und Restwerte? Welche Bedeutung haben Restwerte im Flottengeschäft?
Restwerte sind im Leasing extrem wichtig, weil sie direkt auf die Monatsrate wirken. Wenn sich Gebrauchtwagenpreise stark bewegen, wird die Kalkulation schwieriger. Für Österreich heißt das: genau hinschauen, sauber kalkulieren und den Fahrzeugmix klug steuern. Einfach formuliert: Wer Restwerte gut im Griff hat, kann stabilere Angebote machen.
Sind die Restwerte von Elektroautos inzwischen besser kalkulierbar? Welche Herausforderungen ergeben sich durch die technologische Weiterentwicklung und den Eintritt chinesischer Marken?
Die Lage wird besser, aber einfach ist sie noch nicht. Bei E-Autos ändern sich Technik, Preise und Modellangebot noch immer schneller als bei klassischen Fahrzeugen. Dazu kommt: Neue Marken, vor allem aus China, bringen Bewegung in den Markt. Das ist gut für Auswahl und Preis, macht die Restwertfrage aber nicht automatisch leichter. Für Österreich heißt das: lieber vorsichtig kalkulieren und stark auf Marktbeobachtung setzen.
Welche Argumente überzeugen am meisten bei der Transformation von Fuhrparks vom Verbrenner zum Elektroauto?
Am stärksten überzeugen heute vier Argumente: erstens die TCO-Rechnung, die wirtschaftliche Vorteile über die Nutzungsdauer ausweist, zweitens steuerliche Benefits, drittens die CO₂- und ESG-Ziele der Unternehmen und viertens die immer bessere Nutzererfahrung mit modernen E-Fahrzeugen. Ayvens zeigt in Österreich klar, dass E-Autos in vielen Segmenten inzwischen wirtschaftlich nicht nur gut mithalten, sondern großteils sogar günstiger sind. Dazu kommt: E-Mobilität ist zum Alltag geworden. Voraussetzung ist, dass Lademöglichkeiten und Einsatzprofil passen.
Welche Qualifikationen werden Werkstattpartner künftig benötigen?
Werkstätten benötigen in Zukunft mehr Know-how bei Arbeiten im Hochvoltbereich, bei Batterie, Software und Assistenzsystemen. Es geht also nicht mehr nur um klassische Mechanik, sondern stärker als bisher auch um Diagnose, Updates und sicheres Arbeiten an E-Fahrzeugen. Für Werkstätten in Österreich ist Weiterbildung deshalb ein zentrales Thema.
Welche Rolle spielen freie Werkstätten künftig im Flottenservice?
Freie Werkstätten sind weiter wichtig, wenn sie technisch am Ball bleiben und verlässliche Prozesse bieten. Im Flottenservice zählen vor allem drei Dinge: Qualität, Schnelligkeit und gute Erreichbarkeit. Wer Hochvolttechnik und moderne Fahrzeugsysteme beherrscht, kann hier in Zukunft sogar an Bedeutung gewinnen.
Wie müssen sich Versicherungsprodukte auf autonome Fahrzeuge einstellen?
Versicherungen werden sich stärker mit Software, Daten und Systemverantwortung beschäftigen müssen – nicht nur mit dem klassischen Fahrfehler. Je mehr Assistenz und Automatisierung ins Fahrzeug kommen, desto wichtiger werden Themen wie Update-Stand, Datennachweis und Cyber-Sicherheit. Das klingt technisch, ist aber am Ende eine einfache Frage: Wer trägt welches Risiko?
