Die Elektrifizierung des Automobilsektors verändert auch das Geschäft im Automotive Aftermarket grundlegend. Jens Schüler, Vorstand Vehicle Lifetime Solutions der Schaeffler AG, sieht darin jedoch vor allem neue Chancen. Im C-Level-Interview mit Ralf Petri, Geschäftsbereichsleiter Mobility beim VDE, betont Schüler die wachsende Bedeutung von Flexibilität und technischem Know-how im internationalen Ersatzteil- und Servicegeschäft.
Unterschiedliche Märkte und Antriebskonzepte
„Historisch waren Aftermarket-Märkte und Funktionsweisen trotz unterschiedlicher Fuhrparks weitgehend vergleichbar. Das wird sich in Zukunft deutlich verändern“, erklärt Schüler. Während Verbrennungsmotoren in manchen Regionen weiterhin dominieren würden, entwickelten sich andere Märkte schneller in Richtung Hybrid- und Elektromobilität. Gerade diese Vielfalt eröffne neue Möglichkeiten für den Aftermarket.
Mit der zunehmenden Elektrifizierung steigen laut Schüler zugleich die Anforderungen an Wartung, Reparatur und Ersatzteilversorgung. Besonders elektronische Komponenten und Software seien häufig bereits nach wenigen Jahren nicht mehr verfügbar. Deshalb würden Themen wie Refurbishment, Remanufacturing und zirkuläre Produktkonzepte an Bedeutung gewinnen.
Fokus auf Remanufacturing und Software
„Gerade bei Software und Elektronik brauchen wir ganz neue, flexible Ansätze – um sie auch in zehn bis fünfzehn Jahren vorzuhalten“, so Schüler. Schaeffler setze dabei unter anderem auf modulare Konzepte, Remanufacturing, Lösungen für kleine Liefermengen und Recyclingansätze. Gleichzeitig räumt der Manager ein, dass noch nicht alle Herausforderungen abschließend gelöst seien.
Trotz der geringeren Zahl an Verschleißteilen bei Elektrofahrzeugen erwartet Schüler keine rückläufige Entwicklung im Aftermarket-Geschäft. „Weniger Teile heißt nicht zwingend weniger Umsatz: Da Fahrzeugsysteme zunehmend komplexer werden, steigen die Anforderungen an Reparaturen und schaffen so über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs hinweg zusätzliche Wertschöpfung.“