Beim Event „Cars & Friends“ im Hans-Peter Porsche Traumwerk blickten im Gespräch mit der KFZwirtschaft die beiden Rennfahrer-Legenden auf ihre gemeinsame Karriere zurück – und auf eine Zeit, in der Rallyesport noch echtes Abenteuer war.

„Die Basis beim Rallyefahren ist Vertrauen“, sagt Walter Röhrl rückblickend. „Der Beifahrer legt sein Leben in meine Hände und ich fahre das, was er mir ansagt.“ Für Röhrl war deshalb immer klar, dass ein Beifahrer weit mehr sein muss als ein sportlicher Partner. „Das muss ein Freund sein. Du sitzt 30 oder 40 Stunden unter größter Anspannung gemeinsam im Auto. Da musst du dich blind verstehen.“

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Vor über 50 Jahren begann alles

Kennengelernt haben sich die beiden Ende 1975 bei Opel. Christian Geistdörfer erinnert sich noch genau an die erste Begegnung: „Ich kannte Walter natürlich aus den Medien, aber persönlich hatte ich ihn noch nie getroffen. Er kam in die Werkstatt, gab mir die Hand und sagte: ‚Du bist der, der mit dem Narrischen da fährt.‘ Damit war das Eis gebrochen.“

Dass daraus einmal eines der erfolgreichsten Rallye-Duos aller Zeiten werden würde, ahnte damals niemand. Doch bereits nach der ersten gemeinsamen Rallye ging alles Schlag auf Schlag. „Vier Stunden nach dem Ziel hieß es plötzlich: Der Flieger nach Kanada geht gleich, wenn ihr wollt, könnt ihr einen WM-Lauf fahren“, erzählt Röhrl. „Und vier Stunden später saßen wir tatsächlich im Flugzeug.“

Besonders tief eingebrannt hat sich für beide die Rallye Monte Carlo. Viermal konnten Röhrl und Geistdörfer den wohl prestigeträchtigsten Lauf der Rallye-Welt gewinnen. Für Röhrl war Monte Carlo stets der Maßstab schlechthin: „Das ist für mich der Inbegriff dafür, wer am besten Autofahren kann. Du hast Asphalt, Schnee, Eis, Felswand links und Abgrund rechts. Da darfst du keinen Fehler machen.“

Kam, sah, siegte – und reiste ab

Zu den außergewöhnlichsten Kapiteln ihrer Karriere zählt aber auch die Bandama Rallye 1982 in Afrika. Während andere Teams wochenlang trainierten, flog Röhrl erst am Tag des Starts ein. „Christian war drei Wochen dort und hat 6.000 Kilometer aufgeschrieben“, erzählt Röhrl. „Ich kam zum Start, wir haben gewonnen und später die Weltmeisterschaft geholt. Nach dem Sieg bin ich gleich wieder abgeflogen.“ Geistdörfer ergänzt: „Mir ist kein vergleichbarer Fall bekannt, dass ein Beifahrer allein trainiert und der Fahrer nur schnell zum Start kommt.“

Porsche ist Maß der Dinge

Neben Opel, Fiat oder Audi blieb eine Marke für Walter Röhrl jedoch stets etwas Besonderes: Porsche. Die Leidenschaft begann schon in jungen Jahren. „Mein Bruder hat mir als Zwölfjährigem gesagt: Spare dir alles und kauf dir erst ein richtiges Auto – und das ist ein Porsche.“ Dieser Gedanke blieb. „Privat stand immer ein Porsche in der Garage. Für mich ist Porsche der Inbegriff des Sportwagens und gleichzeitig eines perfekten Alltagsautos.“

Auch Christian Geistdörfer verbindet viel mit der Sportwagenmarke aus Zuffenhausen. „Ich hatte praktisch immer einen luftgekühlten 911er“, erzählt er. „Für mich ist das puristisches Autofahren ohne unnötige Helferlein.“

Heute blicken beide mit einer gewissen Ehrfurcht auf ihre aktive Zeit zurück – auch weil sich der Rallyesport massiv verändert hat. Geblieben ist jedoch die Faszination jener Ära, in der Fahrer und Beifahrer noch echte Grenzgänger waren – und Vertrauen oft wichtiger war als jede Technik.