Bremsspuren im Automobilverkauf

WLTP
11.09.2018

 
Die Umstellung auf WLTP hat signifikante Auswirkungen auf den AUTOMOBILVERKAUF. Das Problem ist hausgemacht, zumal die Umstellung alles andere als gut über die Bühne gegangen ist.
Wolfgang Bauer
Wolfgang Bauer

Die Umstellung auf den strengeren WLTP-Zyklus hat zumindest bewirkt, dass Kunden im Sommer noch schnell die Autohäuser gestürmt haben. Im Juli und August wurden überdurchschnittlich viele Neuwagen verkauft (Juli: +13,5%). Denn: Seit 1. September 2018 dürfen in der EU nur noch Pkw verkauft werden, die nach dem Abgastest WLTP zertifiziert wurden. Der Test ist realitätsnäher, zeigt höhere Abgas- und Verbrauchswerte und das führt dazu, dass die CO2-abhängige NoVA höher wird und damit Pkw teurer werden. Laut Importeurssprecher Günther Kerle werde ein Automobil aufgrund der erhöhten NoVA im Schnitt um 2,5 bis 3 Prozentpunkte teurer. Bei einem Neuwagenpreis von 20.000 Euro bedeutet das demnach ein Plus von 400 Euro. Bei großen Geländewagen müssen Kunden um bis zu 3000 Euro mehr berappen.

AUSWIRKUNGEN AUF AUTOKAUF

Wie eine aktuelle Umfrage der Marktforschung Puls in Deutschland zeigt (gefragt wurden 1005 Endverbraucher), haben die Schwierigkeiten der Automobilhersteller mit dem neuen Prüfverfahren bei mehr als der Hälfte der Befragten (+56%) Auswirkungen auf den Autokauf. 13 Prozent der Befragten gaben an, die geplante Fahrzeuganschaffung komplett auf Eis zu legen. Wer sich dennoch für den Kauf entschied, griff fast in jedem zweiten Fall zu einem Gebrauchtwagen statt zum eigentlich geplanten Neuwagen. Conclusio: Automobilhändler müssen in der Kundenansprache wegen der Umstellung auf den WLTP-Zyklus und damit verbundenen Lieferengpässen zunehmend kreativ agieren. Offenkundig praktizieren das viel zu wenige Händler. Denn lediglich 64 Prozent der von WLTP betroffenen befragten Autointeressenten gaben an, ein Alternativangebot für einen Neu- oder Gebrauchtwagen erhalten zu haben. Laut Puls- Geschäftsführer Konrad Weßner könnte der Handel aber exakt hier ansetzen: „Um die toxische Wirkung von WLTP und der drohenden Innenstadt-Fahrverbote abzumildern, sind vor allem die Händler gefordert, aktiv über die Themen aufzuklären und Vertrauen aufzubauen.“ Gemäß der Studie beeinflusse die Umstellung auf WLTP am stärksten die Arbeit von VW- und Audi-Händlern. Fast zwei Drittel (62%) der Befragten, die einen Audi erwerben wollen, gaben an, dass WLTP Auswirkungen auf ihren Autokauf habe. Bei VW waren es immerhin noch 61 Prozent. Die wenigsten Probleme gebe es gemäß Studie bei der Marke Opel.

„Vor allem Automobilhändler sind gefordert, aktiv über die Themen aufzuklären und Vertrauen aufzubauen.“ WOLFGANG BAUER, CHEFREDAKTEUR

SCHLECHTES PROCEDERE

Tatsache ist: Die Umstellung von NEFZ zu WLTP ist alles andere als gut über die Bühne gegangen. Die endgültigen Verordnungen von Seiten der EU kamen äußerst spät, nämlich im Juni des letzten Jahres. Bereits ab September waren die neu typisierten Modellreihen gemäß WLTP zu prüfen. Das Hauptproblem war schließlich, dass ein Jahr später WLTP für sämtliche im Markt befindliche Modelle eingeführt wurde. Dieser Zeitraum war definitiv zu kurz bemessen, zumal vor allem Automobilhersteller mit vielen Modellvarianten viel zu viele Modelle in viel zu kurzer Zeit zu prüfen hatten. All diese Versäumnisse haben zu den Problemen geführt, die wir jetzt haben.