Diagnosekrimi

Elektroauto im Koma

Diagnosekrimi
08.06.2022

Ein zehn Jahre alter Renault Fluence mit Elektroantrieb schaltet sich plötzlich ab und lässt sich nicht mehr hochfahren. Erst nach einer wahren Odyssee gelingt es, den Stromer wieder flott zu machen.
Renault Fluence

Ausgerechnet auf der Urlaubsreise in Kroatien verweigert ein Renault Fluence seinen Dienst und verdirbt seinem Besitzer damit die wohl verdiente Erholung. Dieser lässt die treulose Limousine in die nächst gelegene Hinterhof-Werkstätte abschleppen, wo man ihm versichert, das Problem umgehend lösen zu können. Doch die vermeintliche Reparatur des defekten Batteriemoduls, welche die Werkstatt angeblich vorgenommen hat, bringt kein Ergebnis – der Fluence stellt sich weiterhin tot. Der Besitzer erhält die Auskunft, dass er ein Software-Update bei einem Markenbetrieb aufspielen müsse. Ihm bleibt daher nichts anderes übrig, als den Wagen zurück nach Österreich schleppen zu lassen, wo ein Diagnosekrimi seinen Anfang nimmt.

  • Der Urlaubsrückkehrer lässt sein E-Auto zunächst zum Händler bringen, bei dem er das Auto gekauft hat. Dieser schließt den Fluence an ein Diagnosegerät an, das den Fehler „Multiplex Error“ anzeigt.
  • Der Kunde erhält die Auskunft, dass ein Software-Update nicht durchgeführt werden kann, da die Batterie offenbar defekt ist.
  • Daraufhin wird das E-Auto zu einem Markenbetrieb in Niederösterreich geschleppt. In der Werkstatt muss zuerst die mittlerweile entleerte 12-Volt Batterie aufgeladen werden, um eine neuerliche Diagnose durchführen zu können.
  • Wieder zeigt das Diagnosegerät „Multiplex Error“ an. Der Fluence-Besitzer erhält die Auskunft, dass der Betrieb leider keine Akku-Reparaturen übernehmen könne – er solle sich an einen entsprechend ausgestatteten Markenbetrieb wenden.
  • Die nächste Station der Odyssee ist ein großer Markenhändler mit E-Auto Werkstatt in Oberösterreich. Hier führt man eine gründliche Diagnose durch und findet heraus, dass das Batteriesteuergerät defekt ist. Dieses wird erneuert, und nun erst kann die Diagnose der einzelnen Akkumodule durchgeführt werden.
  • Bei der Akku-Diagnose stellt sich heraus, dass eines der 48 Module mit je 4 Akkuzellen im Fluence eine Spannungsabweichung von 0,3 Volt vom Normwert hat. Das Batteriemanagement-System verweigert daher ein Aufladen des Akkus, da es dabei zu einem Akkubrand kommen könnte.
  • Nun ist zwar der Fehler gefunden, doch die Behebung lässt auf sich warten. Dem Kunden werden zwei Möglichkeiten angeboten: Der Akku wird nach Frankreich in die Renault-Zentrale zur Reparatur geschickt, oder gegen den gebrauchten Akku eines anderen Fluence ausgetauscht, sobald ein solcher zur Verfügung steht.
  • Der Kunde wählt die zweite, deutlich kostengünstigere Variante. Fazit: Erst nach fünf Monaten kann der Renault-Betrieb einen Ersatz-Akku auftreiben und den Tausch durchführen. Im Anschluss daran lässt sich der Fluence wieder problemlos starten, fahren und laden – der Fall ist gelöst.

Erkenntnis: Lieber mieten als kaufen

Die batterieelektrisch angetriebene Stufenheck-Limousine Renault Fluence wurde von 2012 bis 2014 gebaut und war das erste Elektroauto mit einer Traktionsbatterie nach dem vom israelischen Unternehmen Better Place angestrebten Tauschsystem. Der rund 300 Kilogramm schwere Fluence Akku war daher als Wechsel-Akku konzipiert und mit vier Schnellverschlüssen von unten im Fahrzeugrahmen befestigt. Renault bietet seine E-Fahrzeuge sowohl mit gekauftem als auch mit gemietetem Akku an. Im beschriebenen Fall wäre der Fluence-Besitzer mit einem Miet-Modell deutlich besser dran gewesen. Nach der Diagnose des Defektes wäre der Akku einfach gegen einen neuen ausgetauscht worden.