Brandgefahr

Mit E-Antrieb steigt Crash-Gefahr

Elektromobilität
01.09.2022

 
Laut einer Studie der Schweizer Versicherung AXA-Statistik verursachen Fahrer:innen von E-Autos 50 Prozent mehr Kollisionen als jene von herkömmlichen Verbrennern.
Crashtest mit Tesla

Laut Michael Pfäffli, Leiter der Unfallforschung AXA Schweiz, liegen die größten Unfallrisiken im Beschleunigen. „Die meisten Elektroautos, insbesondere die leistungsstarken, haben ein sehr hohes Drehmoment, das sich beim Antippen des Strompedals unmittelbar bemerkbar macht. Es kann daher zu einer ungewollten, ruckartigen Beschleunigung kommen, welche der Fahrer oder die Fahrerin nicht mehr kontrollieren kann.“ Dieser sogenannte Overtapping-Effekt dürfte auch die Ursache für die erhöhte Schadenfrequenz bei leistungsstarken Elektroautos sein. Denn ein Blick in die Unfallstatistik der AXA Schweiz zeigt, dass Fahrer:innen von Elektroautos 50 Prozent mehr Kollisionen mit Schäden am eigenen Fahrzeug verursachen als jene von herkömmlichen Verbrennern.

Crashtest im Kreisverkehr

Die Unfallforscher inszenierten einen Crashtest, bei dem ein Teslafahrer nur kurz auf das Strompedal drückt und durch die starke Beschleunigung die Kontrolle über das Fahrzeug verliert. Er fährt mit überhöhter Geschwindigkeit auf einen Kreisverkehr zu, kann nicht mehr bremsen und überfährt diesen mittig. Das Auto überschlägt sich und es kommt aufgrund des unebenen Untergrundes zu einer starken Beschädigung des Unterbodens. Beim Überschlag bleibt die Fahrgastzelle intakt, die Insassen haben dank wirkungsvollen Sicherheitssystemen wie Gurtstraffer oder Airbags im Normallfall mit keinen oder leichten Verletzungen zu rechnen.

Unterboden als Achillesferse

Untersuchungen der AXA Unfallforscher haben gezeigt, dass der Unterboden eines E-Autos beim Überfahren von Straßeninseln, Steinen oder eben eines Kreisverkehrs leicht beschädigt werden kann. Die Antriebsbatterie ist zwar durch zusätzliche Versteifungen der Karosserie gut geschützt, doch sollte nach Ansicht der Unfallforscher dieser Schutz durch eine Titanplatte oder ähnliche Materialien mit hoher Widerstandsfähigkeit noch verbessert werden. AXA empfiehlt zudem, dass beim European New Car Assessment Programme (Euro NCAP) ein zusätzliches Crashtest-Szenario zur Überprüfung der Stabilität von unten eingeführt wird. Denn wird die Batterie wie im oben beschriebenen Unfall tatsächlich beschädigt, könnte ein schwer zu löschender Brand die Folge sein. Allerdings ist das Brandrisiko bei Autos, unabhängig davon, ob sie benzin- oder strombetrieben sind, sehr gering und wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft überschätzt. Nur fünf von 10.000 Autos fallen statistisch gesehen einem Brand zum Opfer, ein Marderschaden kommt 38-mal häufiger vor.

Drei Tipps der Unfallforscher

  • Fahrer:innen von Elektroautos sollten sich der unbeabsichtigt schnellen Beschleunigung  bewusst sein. Der Umgang mit dieser unmittelbaren Kraft muss gelernt werden. Wenn möglich sollten Fahrer:innen insbesondere in der ersten Zeit nach dem Kauf hinterm Steuer die Stärke der Beschleunigung manuell herunterstufen, um einen größeren Widerstand beim Antippen des Strompedals zu erreichen.
  • Fahrer:innen von E-Autos sollten ein besonderes Auge auf den Unterboden werfen. Straßeninseln, Steine oder Kreisel sollten zum Beispiel besonders vorsichtig befahren werden, um eine Beschädigung des Unterbodens zu verhindern.
  • Fahrer:innen eines schweren Fahrzeugs verfügen tendenziell über eine höhere Eigensicherheit. Gerade deshalb sollten sie sich der Verantwortung gegenüber anderen Verkehrsteilnehmenden bewusst sein: Leichtere Fahrzeuge sind im Falle eines Crashs benachteiligt.