Digitalisierung – bitte warten

Digitalisierung
10.10.2016

Von: Redaktion KFZ Wirtschaft
Eine aktuelle Studie des internationalen Beratungsinstitutes Berylls Strategy Advisors zeigt, dass die europäischenn Autohersteller den Pfad der Digitalisierung nur sehr zögerlich beschreiten.
Matthias Kempf, Berylls Gründungspartner
Matthias Kempf, Berylls Gründungspartner

Obwohl sie mit immer neuen Vorstößen von digitalen Playern wie Tesla, Google, Uber oder Apple im Bereich der Mobilität konfrontiert sind, setzen nur wenige europäische OEMs bereits konsequent Digitalisierungsstrategien um. Dies zeigt eine Studie von Berylls Strategy Advisors in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien (WIM) der LMU München. Kernergebnis: „Auch wenn sich bereits erste Veränderungen in der Einstellung des Top Managements sowie der Unternehmenskultur beobachten lassen, haben die Hersteller noch einen langen Weg vor sich, damit auch die kulturelle Transformation gelingt“, sagt Matthias Kempf von Berylls.

Digitalisierung auch im Handel

Bei der Befragung von Managementvertretern bei insgesamt sechs europäischen Premium- und Volumenherstellern zeigt sich, dass das Thema Kundenzentrierung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Neben der Digitalisierung von Produkten und Prozessen wird dies mittelfristig auch zu einer verstärkten Digitalisierung der Kundenschnittstelle führen – beispielsweise durch neue Interaktionsmöglichkeiten zwischen OEM und Kunde über das Infotainment-System im vernetzten Fahrzeug oder durch die Einführung von Online-Stores für den Direktvertrieb von Neuwagen. Einige Interviewpartner verweisen zwar darauf, dass der Großteil der Umsätze und Gewinne noch immer über das klassische Geschäftsmodell erzielt wird, doch andere Interviewpartner geben zu, dass bereits erste Einbußen im  Automobilhandel zu spüren seien. So würden die Margen im Handel durch die Aktivitäten von neuen digitalen Playern wie autohaus24.de oder mobile.de im deutschsprachigen Raum, Autotrader.com in den USA oder Tmall.com in China schon heute zurückgehen.

Fazit der Studienautoren: Noch ist kein „Kodak“-Moment für die Automobilbranche in Sicht, aber die zum Teil unerwarteten Vorstöße von neuen Wettbewerbern aus anderen Branchen in den Bereichen Elektrifizierung, Mobilitätsdienstleistungen oder autonomes Fahren lassen bereits erahnen, welcher disruptive Schub der Branche noch bevorsteht.