Ford Galaxy: Elektrik-Defekt

Diagnose
19.04.2017

Ein FORD GALAXY, der sich nicht mehr anstarten lässt, wird in die Werkstatt geschleppt. Der Verdacht des „Gelben Engels“, dass der Starter defekt ist, stellt sich nach näherer Untersuchung doch als Irrtum heraus.
Obwohl alle Indizien auf den Starter deuteten, erwies sich dieser als unschuldig.
Obwohl alle Indizien auf den Starter deuteten, erwies sich dieser als unschuldig.
PETER SEIPEL
PETER SEIPEL

Der Ford Galaxy mit 125.000 Kilometer auf dem Buckel, Baujahr 2008, verweigert eines Tages seinen Dienst. Der regelmäßig servicegepflegte Van dient einer fünfköpfigen Wiener Familie als Stadt-, Ausflugs- und Urlaubsauto und hat bisher immer treue Dienste geleistet. Die Servicearbeiten erledigt seit Jahren Autoelektrik-Spezialist Georg Ringseis in seiner Werkstatt am Wiener Schwarzenbergplatz – naheliegend daher, dass der gelbe Engel mit dem defekten Fahrzeug am Rücken zur vertrauten Adresse fährt. Nach der Erstdiagnose durch den Pannenhelfer bestellt der Stammkunde bei Ringseis einen Starter-Tausch und ersucht ihn, das ebenfalls defekte Fernlicht zu reparieren.

EIN NEUER DIAGNOSEKRIMI BEGINNT

  • Zuerst wird die Batteriespannung geprüft – sie ist in Ordnung, sodass ein Defekt am Starter ziemlich wahrscheinlich ist.
  • Sicherheitshalber prüft der Autoelektriker aber noch den Startermotor, indem er direkt an die Klemmen eine Versorgungsspannung anlegt. Fazit: Der Starter dreht munter auf, ist also intakt. Der Fehler muss also zwischen Zündschloss und Starter zu finden sein.
  • Das Diagnosegerät wird angeschlossen: Kein Fehler wird angezeigt, alle Systeme okay. Nach der wenig hilfreichen Diagnose beginnt also die Detailarbeit.
  • Zuerst werden die Sicherungen und das Startrelais überprüft – ebenfalls alles in Ordnung. Der Arbeitsstromkreis des Relais ist intakt – der Fehler wird weiter eingegrenzt und liegt wahrscheinlich zwischen Zündschloss und Sicherungskasten. Ringseis beschließt, als für den Kunden kostengünstigste Variante, ein paralleles Kabel zu verlegen, da sonst der gesamte Kabelstrang ausgetauscht werden müsste.
  • Bei der Suche nach einer Möglichkeit, das Kabel durch die Spritzwand zu führen, entdeckt der Autoelektriker einen Mehrfachstecker am Originalkabel, der nicht im Schaltplan eingezeichnet ist. Er nimmt den Stecker auseinander und stellt fest, dass einige der rund 30 Pins bereits Materialermüdung aufweisen und ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen.
  • Die Pins werden wieder zurechtgebogen und mit Kontaktspray gegen Korrosion geschützt. Fazit: Sowohl der Starter als auch das Fernlicht funktionieren wieder einwandfrei.

PETER SEIPEL KONTROLLE IST BESSER

„Die Erfahrung zeigt, dass man sich nicht vorschnell auf das Urteil anderer verlassen, sondern sich lieber sein eigenes Bild machen sollte“, meint der erfahrene Kfz-Techniker Georg Ringseis. Hätte er gleich die oberflächliche Erstdiagnose des Pannenhelfers übernommen und den Starter getauscht, wäre das Problem damit nicht behoben gewesen. Da die Automobilhersteller aus Gewichts- und Kostengründen immer dünnere Kabel und fragilere Stecker verbauen, ist dort auch häufig die Ursache für den Ausfall eines oder mehrerer Aggregate zu finden. Vor allem dort, wo niedrige Steuerströme von fünf Volt kursieren, werden nicht selten besonders dünne Kabel verbaut, die den andauernden Vibrationen des Fahrbetriebs auf Dauer nicht gewachsen sind.“