Finanzierung

Santander: „Mobilität muss leistbar bleiben“

Finanzierung
07.09.2022

 
Michael Schwaiger ist als Chief Commercial Officer bei der Santander Consumer Bank auch für die KFZ Sparte in Österreich verantwortlich. Trotz des zunehmend schwierigen Marktumfeldes verzeichnet das Finanzinstitut das beste Ergebnis aller Zeiten.
Michael Schwaiger, Chief Commercial Officer bei der Santander Consumer Bank

KFZWIRTSCHAFT: Wie zufrieden sind Sie mit dem ersten Halbjahr?

MICHAEL SCHWAIGER: Mehr als zufrieden. Wir haben im Vergleich zum Vorjahr Steigerungen von 5 Prozent beim KFZ-Leasing und 8 Prozent im Kreditgeschäft erzielt. Unterm Strich steht aktuell ein Umsatz von 840 Millionen Euro, und wenn das so weiter geht, werden wir das Jahr 2022 mit 1,68 Milliarden Euro abschließen.

Im zweiten Halbjahr kommen auf die Konsumenten vor allem am Energiesektor saftige Preissteigerungen zu. Wird das auch Ihr Geschäft beeinträchtigen?

Tatsächlich rechne ich damit, dass das zweite Halbjahr schwächer wird. Die Inflation, die Teuerung, steigende Zinsen und eine weitere Verschlechterung der Liefersituation machen sich schon jetzt bemerkbar. Dennoch haben wir zuletzt sowohl beim Neuwagen-Leasing als auch im Gebrauchtwagengeschäft Marktanteile gewonnen, obwohl das Gesamtvolumen des Marktes zurückgeht. 

Aktuell hat Santander einige Partnerschaften mit Auto- und Motorradherstellern. Wollen Sie in diesem Bereich expandieren, um weitere Marktanteile zu gewinnen?

Das ist ein wichtiger Teil unserer Strategie. Derzeit haben wir Captives mit den Pkw-Herstellern KIA, Ford, Polestar, Volvo, Suzuki und LEVC sowie im Zweiradbereich mit Harley Davidson, KTM, Husquarna, Yamaha und Triumph. Diese Partnerschaften bilden eine stabile Basis, und bis Jahresende wird da noch einiges dazu kommen. Die Verhandlungen dazu sind bereits weit fortgeschritten.

Soll auch die Anzahl der Händlerpartner weiter erhöht werden?

Selbstverständlich, wir freuen uns nicht nur über jeden Hersteller sondern auch über jeden einzelnen Händler, der mit uns kooperieren will. Derzeit haben wir 1830 Händlerpartner in ganz Österreich und sind auch in diesem Bereich in den nächsten Jahren voll auf Wachstum ausgerichtet.

Welche Chancen sehen Sie für Santander in der Digitalisierung der Geschäftsprozesse?

Da sind wir voll dabei. Wir bauen unsere Angebote in punkto Online-Leasing und Online-Kredit ständig weiter aus. So werden wir beispielsweise unsere digitale Antragstellung, die wir zuerst bei der Marke Polestar angeboten haben, auch auf alle anderen Marken ausrollen. Außerdem beschäftigt sich unsere Entwicklungsabteilung verstärkt mit den in Mode gekommenen Abo-Modellen – da gibt es für uns auf jeden Fall noch Luft nach oben. Ich halte aber nichts von Apps, die niemand braucht. Aus meiner Sicht muss ein digitales Werkzeug einen echten Mehrwert bieten, damit es angenommen wird.

Haben ihre Handelspartner nicht Sorge, dass ihnen durch die Digitalisierung das lukrative Zusatzgeschäft der Finanzierungsvermittlung entgehen könnte?

Wir wollen damit ja nicht den Händlern etwas wegnehmen, sondern vielmehr neue Kundenkreise erschließen. Es gibt angeblich Kunden, die nicht zum Händler gehen wollen, sondern ein Fahrzeug lieber online kaufen. Bei Polestar funktioniert das zum Beispiel ganz gut, da sind wir mit dem Ergebnis zufrieden. Welches Volumen das schließlich insgesamt erreichen wird, wissen wir heute noch nicht, wir werden das nach einiger Zeit evaluieren. Faktum ist aber, dass immer noch die meisten Kunden auf eine gute, persönliche Beratung im Autohaus Wert legen. Das wird aus meiner Sicht niemals unmodern werden, warum auch?

Nicht zuletzt durch den Wandel der Antriebstechnologie vom Verbrenner zum Elektroauto sind die Preise für Neuwagen kräftig angestiegen – wirkt sich dieser Trend auf das Finanzierungsgeschäft aus?

Die individuelle Mobilität befindet sich gerade in einer spannenden Umbruchsphase. Voraussichtlich wird es zu gesellschaftlichen Verschiebungen kommen. Die Teuerung wird bleiben, das Angebot an günstigen Autos wird weiter schrumpfen, und gleichzeitig werden die Leute weniger Geld für den Autokauf übrig haben. Die Finanzierung kann dabei helfen, diese Kluft zu schließen, sie wird daher in Zukunft eine noch größere Rolle als heute spielen. Wir sehen darin durchaus weitere Wachstumschancen für uns, denn es mangelt uns weder an Mut noch an Ideen. Schließlich haben wir immer gesagt, wir wollen Mobilität für alle Österreicher leistbar machen.

Hat Ihr Dienstwagen einen Elektromotor oder einen Verbrennungsmotor?

Ich bekomme demnächst meinen ersten rein elektrischen Dienstwagen, und ich kann dazu nur sagen, dass er genügend Leistung haben wird, um auch ordentlichen Fahrspaß zu vermitteln. Ich gebe zu, dass ich ein Auto-Depp bin, denn ich habe auch einen Benziner und einen Hybrid in meinem Fuhrpark, die ich auch weiterhin nicht missen möchte.