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Der Autoindustrie droht nach Milliardenverlusten und Überkapazitäten Ungemach.

Das kostet die Corona-Krise

10.09.2020

Es ist eine regelrechte Spur der Verwüstung, die die Corona-Krise in der Wirtschaft und dabei insbesondere der Autoindustrie hinterlassen hat. Analysten von EY haben jetzt die erlittenen Verluste der größten Autokonzerne hochgerechnet - und stellen fürs nächste Jahr Werksschließungen und Jobverluste in Aussicht. 

Die Corona-Krise hat die Autobranche weltweit Milliarden gekostet und tief in die roten Zahlen gedrückt. Einer Analyse des Beratungsunternehmens EY zufolge summierten sich die operativen Verluste der 17 größten Autokonzerne im zweiten Quartal auf fast elf Milliarden Euro - nach knapp 22 Milliarden Euro Gewinn im zweiten Quartal des Vorjahres. Nur sechs Hersteller mussten keine roten Zahlen verbuchen, einzig Tesla schnitt im Zeitraum April bis Juni sogar besser ab als im Vorjahr und sprang laut EY auch gleich an die Spitze der Rangliste der profitabelsten Autokonzerne.

Vor sinkenden Umsätzen konnte sich der Analyse zufolge keiner der Hersteller im zweiten Quartal retten. Zusammen büßten sie fast 177 Milliarden Euro ein, das ist ein Rückgang um 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auch hier ist die Bandbreite allerdings groß und reicht von 5 Prozent Umsatzminus bei Tesla bis zu minus 57 Prozent bei Mitsubishi. Die drei deutschen Hersteller Volkswagen (-37 Prozent), Daimler (-29) und BMW (-22) lagen im Mittelfeld.

"Einen derartigen Einbruch bei Umsatz, Gewinn und Absatz hat es noch nie gegeben", sagte der Leiter des Bereichs Automotive & Transportation bei EY, Constantin M. Gall, gegenüber der deutschen Pressagentur dpa. "Die Pandemie hat die weltweite Automobilindustrie zeitweise fast zum Stillstand gebracht – mit entsprechend katastrophalen Folgen für die Umsatz- und Gewinnentwicklung." 

Was den Absatz angeht, habe sich China im zweiten Quartal als wichtigster Stützpfeiler gerade auch für die deutschen Hersteller erwiesen: Alle drei deutschen Autokonzerne konnten im zweiten Quartal in China zulegen, während der Absatz in den anderen Regionen massiv einbrach. Der Anteil Chinas am weltweiten Absatz der deutschen Autobauer kletterte dadurch von 33 auf 51 Prozent, so Gall. 

"Großes Erwachen" und "brutale Auslese" im nächsten Jahr

Zwar werde das dritte Quartal wieder deutlich besser ausfallen als das zweite, eine Rückkehr der Absatzzahlen auf das Vorkrisenniveau erwarten die EY-Experten aber frühestens 2022. Diese nur zaghafte Erholung verstärke laut EY das ohnehin seit Jahren schwelende Problem der Überkapazitäten. An Werksschließungen und Arbeitsplatzverlusten führe kein Weg vorbei - allerdings noch nicht jetzt. "Das große Erwachen wird wohl erst im nächsten Jahr kommen", sagte EY-Autoexperte Peter Fuß. "Dann wird es eine brutale Auslese geben."

Mit anderen Worten: Die Konsolidierung der Automobilindustrie werde sich in den kommenden Monaten und Jahren beschleunigen. „Diese Krise werden nicht alle Autohersteller und erst recht nicht alle Zulieferer überleben“, sagt Gall. Als Gegenmaßnahme würden die Konzerne künftig sehr viel enger zusammenarbeiten müssen als bisher. Das wiederum verstärkt die Notwendigkeit von Werksschließungen und Arbeitsplatzverlusten. 

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