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Rainer Bennewitz (GF Autohaus Bennewitz), Rainer Stephan (Verkaufsberater), Fayez Abdou, Amr Abdou (Inhaber Taxi Abdou Amr) (v.l.) vor dem praktisch wartungsfreien Hyundai Ioniq.

Der Verlust der Wertschöpfung

12.02.2020

Der Fachkongress VERNETZTE MOBILITÄT im Rahmen der Vienna Autoshow zeigte den Wandel der Erlösmodelle im Autohandel und Reparaturgeschäft auf. Fazit: Autohersteller und Werkstätten stehen aktuell vor enormen Herausforderungen.

Keynote-Speaker Stefan Bratzel sieht den traditionellen Autoherstellern die Felle davonschwimmen.
Denzel-Vorstand Hansjörg Mayr will den absehbaren Einbruch im Aft ersales durch individuelle Kundenansprache wettmachen.

Kongressveranstalter Raimund Wagner stellte in seinem Eröff nungs-Statement fest, dass die Hochkonjunktur in der Automobilindustrie ihren Höhepunkt überschritt en habe. Zwar werde das Auto in den nächsten zwei Jahrzehnten noch Verkehrsmitt el Nummer eins bleiben, doch stünden wir bereits am Beginn eines neuen, multimobilen Zeitalters. Keynote-Speaker Stefan Bratzel, Direktor und Gründer des Center of Automotive Management in Deutschland, ortet einen Kampf der Welten zwischen etablierten Autoherstellern, neuen Mobilitätsdienstleistern und großen Digital Playern. „In den nächsten zehn bis 15 Jahren wird entschieden werden, wer die Schlüsselrolle in der Mobilität der Zukunft einnehmen wird“, so Bratzel. Seiner Ansicht nach sei es ein schweres Versäumnis der Autohersteller, die Entwicklung der Fahrzeug-Soft ware Google & Co zu überlassen und sich auf die Hardware zu beschränken. Die größten Renditen – rund 20 bis 25 Prozent - würden in Zukunft aber die Betreiber von Mobilitäts- Platt formen erzielen, während dem Fahrzeughersteller höchstens 7 bis 8 Prozent übrig blieben, so Bratzel. Interessant auch seine Prognose zur EMobilität: Bereits Mitt e der 2020er Jahre werde der Preis für eine Kilowatt stunde Batt erieleistung von heute 130,- auf 100,- Euro gesunken sein und damit das E-Auto im Anschaff ungspreis mit dem Verbrenner gleichziehen. Problematisch sieht Bratzel den derzeitigen Boom bei Plug-In-Hybriden, da deren Realverbrauch bis zu drei Mal höher als der ausgewiesene Normverbrauch sei. „Die Fahrzeuge werden wegen der hohen Förderungen gekauft , doch viele Dienstwagenfahrer packen das Ladekabel nicht einmal aus“, so Bratzel.

EINBRUCH IM WERKSTATTGESCHÄFT

Mit der heiß diskutierten Fragestellung „Quo Vadis Aft er-Sales?“ widmete sich Denzel-Vorstand Hansjörg Mayr der Zukunft des Werkstatt geschäft s. Das Beispiel eines rein elektrisch angetriebenen Hyundai Ioniq, der vom Wiener Taxiunternehmen 40100 betrieben wird, belegt den dramatischen Wandel. Nach drei Jahren Taxibetrieb zeigte das Serviceheft des Ioniq bei Kilometerstand 260.000 magere zwei Einträge: Austausch des Pollenfi lters und Erneuerung der Bremsbeläge. „Die Elektromobilität und das autonome Fahren werden die Aft er- Sales-Umsätze schrumpfen lassen“, so Mayr, „wir müssen daher auf die individuelle Kommunikation mit dem Kunden fokussieren.“ Werkzeug dazu könnte eine eigene Autohaus-App sein, die in beide Richtungen funktioniert. „So kann das Autohaus schnell auf Kundenanfragen reagieren und Empfehlungen für die beste nächste Aktion aussprechen“, so Mayr. In weiteren interessanten Vorträgen stellte Matt hias Kreimeier von der e.GO Mobile AG Lösungsansätze für den Stadtverkehr der Zukunft vor. Uniqa Vorstandsmitglied Andreas Kößl erklärte, wie Versicherungen dem technologischen Wandel und veränderten Kundenverhalten mit innovativen Produkten begegnen können. Matt hias Fiegl von Magenta Telekom beschrieb die Chancen der Vernetzung auf Basis der 5G Technologie, Klimaforscher Christoph Matulla klärte über die Folgen des Klimawandels in Umwelt und Gesellschaft auf, und Thomas Tietje von A.T.U setzte sich in seinem Vortrag mit der Fahrzeugtelematik auseinander. Zum Abschluss gab Wolfgang Kurz vom Automobil Cluster OÖ noch einen spannenden Ausblick auf die Zukunft der Mobilität.

Autor/in:
Peter Seipel
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