Für selbständige Betriebe kann ein Partnersystem Aufgaben bündeln, die sie sonst allein organisieren müssten. Dazu zählen etwa Marketing, Vertrieb, Digitalisierung und Weiterbildung. Im Reifengeschäft kommt die Unterstützung beim Einkauf der Pneus hinzu. Ein wesentlicher Punkt ist die unternehmerische Eigenständigkeit. Reifen1+ beschreibt seine Leistungen als individuell konfigurierbar, denn die Partner entscheiden weiterhin selbst über Sortiment und Angebot. Sie können zudem die Zusammenarbeit mit Teilehändlern und Kfz-Service-Systemen fortsetzen, die sie vor Ort beliefern. Das macht die Kooperation auch für Werkstätten interessant, bei denen Reifen nur einen Teil des Geschäfts ausmachen.
Was zählt ist der Umsatz
Mit der Teilnahme sind allerdings Erwartungen verbunden. Zu den führenden Anbietern von Werkstatt- und Reifenfachhandelskonzepten zählt Reifen1+ der deutschen Interpneu Handelsgesellschaft. Sie erhebt keine Systemgebühren, erwartet von seinen Partnern aber entsprechende Umsätze. Bei einer Entscheidung für ein Partnersystem zählt daher neben dem Umfang der Leistungen auch, welche Verpflichtungen der Betrieb übernimmt und wie gut das Konzept zum eigenen Geschäftsmodell passt. Über die Entwicklung von Reifen1+ und die Angebote für Partnerbetriebe sprach die KFZwirtschaft mit Systemleiter Andreas Burk.
KFZwirtschaft: Herr Burk, wie hat sich Reifen1+ im ersten Halbjahr 2026 entwickelt?
Andreas Burk: In den ersten sechs Monaten haben sich 31 neue Kfz-Werkstätten und Reifenhändler in Deutschland sowie zehn Betriebe in Österreich für eine Vermarktungskooperation mit Reifen1+ entschieden. Besonders erfreulich ist, dass neue Partner in allen vier Stufen hinzugekommen sind: Basic, Premium, Premium+ und Nutzfahrzeuge.
Wie groß ist das Netzwerk inzwischen?
Zur Jahresmitte zählten wir über 690 Partnerbetriebe in Deutschland. In Österreich sind es mittlerweile 42 Partner, verteilt über alle Bundesländer. Dort sind wir Anfang 2025 gestartet. Zur AutoZum 2025 waren sieben Partner an Bord. Die Betreuung vor Ort haben wir mit Michael Bock im Außendienst intensiviert.
Was versprechen sich selbständige Werkstätten und Reifenhändler von der Zusammenarbeit?
Unsere Partner profitieren von der Gemeinschaft mit einem Großhändler für Reifen, Räder und Reifendruckkontrollsysteme für alle Fahrzeugkategorien. Die Leistungsbausteine lassen sich individuell konfigurieren. Gleichzeitig bleibt der jeweilige Unternehmer selbständig und entscheidet allein über sein Sortiment und sein Angebot.
Müssen Partner dafür bestehende Lieferbeziehungen aufgeben?
Nein. Sie können parallel zu Reifen1+ weiterhin die Angebote ihrer bewährten Teilehändler und Kfz-Service-Systeme nutzen, die sie lokal beliefern.
In welchen Bereichen unterstützt das Konzept die Betriebe?
Reifen1+ bietet Leistungen in Einkauf, Marketing, Vertrieb, Digitalisierung, Weiterbildung und Werkstattentwicklung. Wir wollen die Partner durch systematisch organisierte Kompetenz rund um den Reifenservice im Wettbewerb stärken.
Welche zusätzlichen Möglichkeiten gibt es für Betriebe in der höchsten Konzeptstufe?
Dazu gehören unter anderem die Direktbelieferung durch die Industrie und eine stärkere Teilnahme an Flottenabrechnungen. Beides wollen wir auch in Österreich weiter vorantreiben.
Reifen1+ verlangt keine Systemgebühren. Welche Erwartungen haben Sie dennoch an die Partner?
Die Partnerschaft muss auf Gegenseitigkeit beruhen. Wir erheben keine Systemgebühren, erwarten aber entsprechende Umsätze. Deshalb prüfen wir regelmäßig, welche Betriebe Reifen1+ weiterhin als Partner am Markt vertreten und welche wieder einen regulären Kundenstatus bei Interpneu erhalten.
