Schrumpfende Ausfuhren und steigende Importe – besonders betroffen ist die Autoindustrie. Nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Deutschland wurden im vergangenen Jahr Waren “Made in Germany” im Gesamtwert von 81,3 Mrd. Euro nach China geliefert. Das waren 9,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Zugleich importierte Deutschland 8,8 Prozent mehr Waren aus chinesischer Produktion in einem Gesamtvolumen von 170,6 Mrd. Euro.

In der Wirtschaftskrise hat die deutsche Industrie 2025 bereits im großen Stil Jobs gestrichen. Am härtesten traf es 2025 die kriselnde Autobranche, in der allein rund 50.000 Jobs verloren gingen, berichtete die Beratungsgesellschaft EY. Unterm Strich dürfte die Industrie auch heuer aufgrund schwacher Aufträge und des hohen Wettbewerbsdrucks weiter Stellen abbauen. Hinzu käme die steigende Zahl an Insolvenzen, gerade bei Autozulieferern. Auch die OEMs selbst würden verstärkt Produktion sowie Forschung und Entwicklung im Ausland aufbauen, das gehe auf Kosten der Arbeitsplätze in Deutschland.

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Parallel dazu hat die Europäische Kommission Anfang März ihre “Made in Europe”-Pläne präsentiert, die die europäische, saubere Industrie fördern sollen. Die Präsentation des “Industrial Accelerator Act (IAA)” war zuvor mehrfach verschoben worden und galt als nicht unumstritten: Während etwa Deutschland für “Made with Europe” plädiert, setzt Frankreich stärker auf “Made in Europe”.

Bei in der EU zusammengebauten Elektroautos etwa sollen sechs Monate nach Inkrafttreten der Vorschläge drei Batterieteile und 70 Prozent der Nicht-Batteriekomponenten “Made in EU” sein. Nach drei Jahren soll dieses Erfordernis auf fünf Batteriekomponenten steigen. Für kleine E-Autos gilt nur die erste Bedingung. Ein Viertel des Aluminiums sowie fünf Prozent des Zements in der EU sollen aus EU-Ländern oder ihren Partnerländern kommen.

Hildegard Müller, Präsidentin des VDA, warnte allerdings davor, mit neuen EU-Vorgaben Gegenreaktionen zu provozieren. “Auch wenn China jetzt aufgefordert ist, Angebote zu machen, muss Europa generell sein Handeln und entsprechende Reaktionen abwägen. Je nach Entscheidung drohen der hiesigen Industrie Gegenmaßnahmen aus China”, sagte Müller.

Der IAA selbst werde laut VDA in seiner jetzigen Form nicht dazu beitragen können, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie am Standort Deutschland und Europa maßgeblich zu stärken. Seine industriepolitische Wirkung sei äußerst begrenzt. Man habe in Brüssel nach wie vor nicht erkannt, dass an umfassenden Reformen zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit kein Weg vorbeiführe.

„Um die Industrie in Deutschland und Europa tatsächlich zu stärken, braucht es einen Fächer an Maßnahmen. Auf die Agenda der Wettbewerbsfähigkeit gehören die Vollendung des EU-Binnenmarktes, der Abschluss weiterer Freihandels- und Rohstoffabkommen, Technologieoffenheit sowie eine drastisch reduzierte Regulierung. Hinzu kommen Maßnahmen zur Senkung der Energiekosten, zur Weiterentwicklung der Kapitalmarktunion und zur Erleichterung bei der Transformationsfinanzierung“, betonte die VDA-Präsidentin. 

Wir werden sehen, wie sich all diese Maßnahmen auf die österreichische Automobilwirtschaft auswirken, die österreichischen Zulieferer befinden sich großteils ebenfalls im Krisenmodus. Aber zumindest die Zahlen im Neuwagenverkauf waren in den ersten Monaten 2026 äußerst positiv. Wir nähern uns der 300.000 Marke bei den Neuzulassungen und damit dem Vor-Corona Niveau, zumindest das gibt Anlass zur Freude!

Der Autor

Christian Pesau
Christian Pesau: “Keine Änderung in Sicht, die IV bleibt dran.”

Christian Pesau, Geschäftsführer des Arbeitskreises der Automobilimporteure