Als Volvo am ersten Septemberwochenende 1956 in Örebro seine neue Limousine präsentierte, war kaum abzusehen, welche Karriere vor ihr lag. Der Amazon unterschied sich deutlich vom rundlichen PV444. Pontonkarosserie, hohe Gürtellinie, markante Türen und eine V-förmige Motorhaube verliehen dem nur 4,45 Meter langen Wagen einen selbstbewussten Auftritt.

Verantwortlich für diesen unverwechselbaren und zugleich selbstbewussten Auftritt dafür war ein gerade einmal 26 Jahre alter Designer: Jan Wilsgaard. Er sollte später auch die Linien von Volvo 140, 240 und 700 prägen. Beim Amazon verband er skandinavische Klarheit mit Einflüssen italienischer, britischer und amerikanischer Gestaltung. Besonders die frühen Zweifarblackierungen machten ihn unverwechselbar.

Werbung
Mehr Ertrag im Gebrauchtwagengeschäft: Darauf kommt es an
Der Handel mit Gebrauchtwagen zählt zu den profitabelsten Bereichen im Autohaus. Gleichzeitig erfordert er ein professionelles Management, um Ertragspotenziale optimal zu nutzen. Schon mit wenigen gezielten Maßnahmen lassen sich Verkaufschancen erhöhen und Kosten reduzieren.

Auch sein Name schrieb Geschichte. Ursprünglich „Amason“ genannt, wurde daraus 1957 der international verständlichere Amazon. Wegen bestehender Namensrechte durfte Volvo diese Bezeichnung aber nur in Skandinavien verwenden. Auf anderen Märkten hießen die Modelle 121 und 122, die späteren Kombis 221 und 222.

Sicherheit, die Geschichte schrieb

Seine vielleicht wichtigste Hinterlassenschaft ist von außen nicht erkennbar. Ab 1959 stattete Volvo den P120 serienmäßig mit dem patentierten Dreipunkt-Sicherheitsgurt vorne aus. Was heute selbstverständlich und aus keinem Auto mehr wegzudenken ist, war damals eine Weltneuheit. Ergänzt wurde das Sicherheitskonzept unter anderem durch gepolsterte Armaturen und eine Zweikreisbremsanlage. Zum aufwändigen Rostschutz zählte, dass gefährdete Karosserieteile im Warmbad verzinkt wurden. Diese seinerzeit noch nicht standardmäßige Behandlung ist zweifellos auch für den hohen Bestand noch fahrbereiter Volvos dieser Epoche verantwortlich.

Starker Schwede

Unter der mächtigen Motorhaube sorgten kräftige Triebwerke für Vortrieb: Bereits 1958 erschien der Amazon Sport mit 83 PS. Werkseitige Sportmotoren leisteten sogar bis zu 128 PS. Derart befeuert, machte sich der Amazon rasch im Rallye- und Tourenwagensport einen Namen. 1965 gewann Volvo-Werksfahrer Carl-Magnus Skogh mit einem 122S die Akropolis Rallye.

Als Kombi begehrenswert wurden

Eine zweite kleine Revolution folgte 1962. Mit dem P220 Amazon zeigte Volvo, dass ein Kombi nicht wie ein Nutzfahrzeug aussehen musste. Bis zur B-Säule entsprach er der Limousine, dahinter entstand ein großzügig verglaster Laderaum mit horizontal geteilter Heckklappe. Bis zu 1.850 Liter Gepäck passten hinein, 490 Kilogramm Nutzlast waren möglich. Bei umgelegten Sitzen entstanden sogar 2,25 Quadratmeter Liegefläche.

Vor allem aber verband der P220 diese Alltagstalente mit Komfort und Sicherheit auf Limousinenniveau. Neben den serienmäßigen Dreipunkt-Sicherheitsgurten wurde auch ein schützender Kindersitz angeboten.

667.791-mal gebaut

Der Amazon war mehr als nur ein erfolgreiches Modell. Er machte Volvo international. Rund 60 Prozent der Produktion gingen in den Export. Gebaut wurde der Bestseller nicht nur in Schweden, sondern auch in Kanada, Südafrika und Belgien. Zwischen 1956 und 1970 entstanden insgesamt 667.791 Exemplare. Der letzte Amazon, eine dunkelblaue Limousine, lief am 3. Juli 1970 in Torslanda vom Band und wanderte direkt in die Fahrzeugsammlung, aus der später das Volvo Museum hervorging.

Armaturen Volvo Amazon
© Volvocars
Volvo Amazon Kombi
© Volvocars