Für die Analyse wertete das Kfz-Datenunternehmen Fahrzeughistorien aus, die zwischen August 2025 und Juli 2026 von Nutzern in Deutschland abgerufen wurden. Insgesamt zeigten 1,9 Prozent der überprüften Fahrzeuge Hinweise auf einen manipulierten Kilometerstand. Bei Importfahrzeugen lag der Anteil mit 4,2 Prozent deutlich höher. Fahrzeuge, die ausschließlich in Deutschland genutzt wurden, kamen auf 1,4 Prozent. Damit war die festgestellte Quote bei Importen dreimal so hoch.
Daten enden häufig an der Grenze
Ein wesentlicher Schwachpunkt liegt laut carVertical in der mangelnden grenzüberschreitenden Verfügbarkeit von Fahrzeugdaten. Informationen zu Kilometerständen, Unfallschäden oder anderen Ereignissen verbleiben häufig im Herkunftsland. Wird ein Fahrzeug exportiert, können dadurch Lücken in seiner nachvollziehbaren Historie entstehen. „Da Länder keine historischen Fahrzeugdaten austauschen, beginnt die Geschichte eines Autos bei Null, sobald es exportiert wird“, erklärt Matas Buzelis, Kfz-Experte bei carVertical. Unterschiedliche gesetzliche Regelungen zur Manipulation von Kilometerzählern würden die internationale Bekämpfung zusätzlich erschweren.
Für den Fahrzeughandel ist diese Situation besonders relevant: Fehlende Informationen können dazu führen, dass auch professionelle Anbieter Vorschäden oder frühere Manipulationen beim Ankauf nicht erkennen. Eine möglichst vollständige Prüfung der Fahrzeughistorie gewinnt bei grenzüberschreitend gehandelten Gebrauchtwagen daher an Bedeutung.
18 Prozent der geprüften Fahrzeuge importiert
Importfahrzeuge machen einen relevanten Teil der von carVertical untersuchten Fahrzeuge aus. 18 Prozent der in Deutschland überprüften Autos stammten ursprünglich aus dem Ausland, 82 Prozent aus Deutschland. Die Unsicherheit über die tatsächliche Historie wirkt sich offenbar auch auf das Vertrauen der Kunden aus. In einer europaweiten carVertical-Umfrage mit mehr als 10.000 Teilnehmern, darunter über 1.000 aus Deutschland, gaben 74,6 Prozent der deutschen Befragten an, beim Gebrauchtwagenkauf versteckte Mängel zu befürchten. 27,7 Prozent erklärten, Gebrauchtwagenhändlern überhaupt nicht zu vertrauen. Fast die Hälfte der deutschen Teilnehmer – 47,4 Prozent – gab zudem an, bereits mindestens einmal von einem Verkäufer getäuscht worden zu sein und ein Fahrzeug mit manipuliertem Kilometerstand oder versteckten Mängeln gekauft zu haben.
Mehrheit fordert mehr Transparenz
Entsprechend groß ist laut Umfrage die Zustimmung zu einem besseren Datenaustausch. 83,6 Prozent der deutschen Befragten sprechen sich dafür aus, Käufern Zugang zu historischen Fahrzeugdaten zu ermöglichen. 64,8 Prozent befürworten eine grenzüberschreitende Bereitstellung nicht sensibler Fahrzeugdaten.Für Händler und Werkstätten könnte eine bessere europäische Datenverfügbarkeit ebenfalls Vorteile bringen. Lückenlose Informationen über Laufleistung, Schäden und Fahrzeughistorie würden die Bewertung von Gebrauchtwagen erleichtern und könnten dazu beitragen, Risiken bereits beim Ankauf zu erkennen.