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Ferdinand Fischer, Sprecher des Zweiradhandels in der WKO.

"Sehen teilweise grünen Fanatismus in der Regierung"

19.01.2021

Ferdinand O. Fischer, Sprecher des Zweiradhandels in der WKO, resümiert das Coronajahr 2020, ist erbost über die Ignoranz der Politik und schließt weitere Demonstrationen nicht aus. 

Herr Fischer, noch im immer Sommer letzten Jahres zeichneten Sie ein düsteres Bild der heimischen Zweiradbranche. Inklusive Insolvenzen und einem dem Lockdown-geschuldeten starken Rückgang des Geschäfts. Wie ging das Jahr aus? 

Ferdinand O. Fischer: Was die Insolvenzen betrifft, sind wir in der gleichen Situation wie die Gesamtwirtschaft. Das wird sich erst ab Mitte dieses Jahres herausstellen, wie viele Betriebe es nicht schaffen werden. Was den starken Rückgang betrifft, muss man differenzieren. Bei den Fahrzeugen haben sich die Zahlen glücklicherweise anders entwickelt, als erwartet. Offensichtlich haben sich unsere Kunden, im Gegensatz zu den Autokunden, von Corona nicht demotivieren lassen. Sie haben, wider Erwarten, die Phase des Lockdowns ausgeblendet und die Zeitspanne einfach hinten drangehängt. Dadurch konnten wir eine Steigerung von vier Prozent erzielen. Besonders erfreulich: plus 10 Prozent bei den 125ern. Ich schließe daraus, dass immer mehr Autofahrer draufkommen, mit einem Roller innerstädtisch ausreichend mobil zu sein: ohne Stau, bei niedrigeren Kosten und Umweltbelastung. Außerdem ist die Chance groß, dass die 125er-Fahrer mit der Zeit auf größere Bikes umsteigen und wir damit den Kunden von morgen anlocken können. Was den Zubehör- und Bekleidungsumsatz betrifft, sieht die Situation leider nicht so rosig aus. Da haben die meisten Rückgänge. Insgesamt sehen wir ein sehr unterschiedliches Bild: Einige Händler haben 2020 sehr gut überstanden, andere leider nicht. Es gibt einen Trend zu größeren Händlern, die die Krise deutlich besser meistern, als die kleineren.

Apropos Umwelt. Anfang Dezember haben Sie die geplante NoVA-Erhöhung (die auch Zweiräder betrifft) scharf verurteilt. Was läuft da politisch schief, wenn die starke Automobil- und Zweiradbranche offensichtlich nicht gehört wird?

Die ehemalige Wirtschaftspartei ÖVP hat einen – nicht offiziellen, aber offensichtlich existierenden - unheilvollen Deal mit den Grünen gemacht, der da heißt: Wir reden euch bei euren Themen nicht drein, ihr uns bei unseren nicht. Jetzt sehen wir teilweise grünen Fanatismus in der Regierung. Und Fanatismus hat noch nie etwas Positives bewirkt. Es muss jetzt wieder die Vernunft einsetzen und nicht nur die Emotion herrschen. Kein vernünftiger Mensch hat etwas gegen Klimaschutz! Aber wenn ich höre, dass wir Klimaschutzweltmeister werden wollen, frage ich mich: Kennen CO2-Emissionen einen Grenzbalken? Klimaschutz ist ein globales Problem, welches wir nicht als kleines Österreich für die ganze Welt lösen können. Natürlich müssen wir unseren Beitrag leisten, aber er sollte in einer gesunden Balance zwischen Wirtschaft und Umweltschutz passieren – und das ist in Österreich nicht der Fall! Zweiräder stoßen nur die Hälfte an CO2 im Vergleich zum Auto aus. Zweiräder verbrauchen viel weniger Parkfläche in Städten als Autos, trotzdem trifft die NoVA-Erhöhung die Biker mit voller Wucht, anstelle genau dieses ökologischere Fahrzeug zu entlasten. Das ist komplett unlogisch und rational nicht nachvollziehbar. 

Was kann man jetzt noch tun? 

Das frage ich mich auch. Die Regierung, im speziellen der Juniorpartner, entscheidet - wie erwähnt -  in Verkehrsfragen nicht rational sondern ideologisch. Wir versuchen in Gesprächen und über die Medien unsere Anliegen zu deponieren und untermauern das mit rationalen Argumenten. Die Erfolge sind aber leider mehr als überschaubar, teilweise werden wir nicht einmal angehört. Im Sommer gab es die größte Motorraddemonstration seit Jahrzehnten. Die Motorradfahrer fühlen sich weder gehört noch verstanden. Dabei besitzen 850.000 Österreicher ein motorisiertes Zweirad und die Branche erwirtschaftet rund 2,9 Milliarden Euro im Jahr bzw. 0,89 Prozent des BIP und sichert 41.000 Arbeitsplätze in Österreich. Wenn alles nichts hilft, werden wir uns nochmals, gemeinsam mit den Zweiradfahrern, auf die Straßen begeben. Andere Möglichkeiten, wenn wir mit unseren Anliegen nicht durchdringen, haben wir nicht.

Wird das heurige Jahr ähnlich erfolgreich für den Zweiradhandel wie 2020?

Da wir jetzt besser wissen, wie unsere Kunden ticken, darf man für 2021 auf ein gutes Zweiradjahr hoffen, zumindest was den Fahrzeugabsatz betrifft. Ungewiss bleibt der wirtschaftliche Post-Corona-Aspekt: Wie viele unserer Kunden sind von Kurzarbeit oder Jobverlust durch Insolvenzen betroffen? Haben Sie noch genug Geld für die schönen Dinge im Leben? Das werden wir erst im Laufe des Jahres beurteilen können, sehen aber der neuen Motorradsaison grosso modo positiv entgegen.

Autor/in:
Philipp Bednar
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