Mit der Einführung von SERMI wurde dafür ein europaweit geregelter Zugang geschaffen. Der Kärntner Betrieb KFZ Schnabl zählt zu jenen freien Werkstätten, die den Schritt frühzeitig umgesetzt haben. Im Gespräch mit der KFZwirtschaft erklärt Michael Schnabl, der zugleich Kärntner Landesinnungsmeister Fahrzeugtechnik ist, warum der Zugang für freie Betriebe immer wichtiger wird, welche Vorteile sich daraus im Werkstattalltag ergeben und wo es aus seiner Sicht noch Verbesserungsbedarf gibt.

Zugang wird immer wichtiger

Für Michael Schnabl war früh klar, dass sich freie Werkstätten mit dem Thema SERMI beschäftigen müssen. Der Zugang zu sicherheitsrelevanten Reparatur- und Wartungsinformationen sei angesichts moderner Fahrzeugtechnik längst kein Zukunftsthema mehr, sondern bereits Realität im Werkstattalltag. „Es war relativ schnell klar, dass wir das SERMI-Zertifikat aufgrund der vielen neueren zu reparierenden Fahrzeuge in unserem Betrieb einsetzen müssen“, erklärt Schnabl.

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Seit April 2024 können sich unabhängige Werkstätten offiziell zertifizieren lassen. Grundlage dafür ist die EU-Regelung, wonach Fahrzeughersteller sicherheitsrelevante Daten unabhängigen Betrieben in nicht diskriminierender Weise zur Verfügung stellen müssen. Gerade für freie Auto-, Karosserie- und Lackierbetriebe sei der Zugang entscheidend geworden. Denn ohne SERMI bleiben zahlreiche Arbeiten an modernen Fahrzeugen verwehrt. Dazu zählen unter anderem Tätigkeiten an Schlüsseln, Zündschlössern, Türschlössern oder Steuergeräten.

Der Weg zur Zertifizierung

Laut Michael Schnabl gestaltete sich der eigentliche Zertifizierungsprozess unkompliziert. Nach dem Hochladen der erforderlichen Unterlagen erfolgte die Freischaltung innerhalb weniger Tage. „Der Onboarding-Prozess ist relativ einfach“, beschreibt er den Ablauf. Ganz ohne organisatorischen Aufwand geht es allerdings nicht. Sowohl für den Betrieb selbst als sogenannter „Independent Operator“ als auch für die jeweiligen Mitarbeiter („Independent Operator Mitarbeiter“) müssen unterschiedliche Dokumente eingereicht werden. Bis zur tatsächlichen Nutzung vergingen laut dem Kärntner Landesinnungsmeister rund fünf Werktage.

Interne Abläufe mussten im Betrieb hingegen kaum verändert werden. Vielmehr sieht Schnabl in SERMI sogar eine Erleichterung. „Wir sehen, dass interne Abläufe kaum angepasst werden mussten, da es eigentlich eine Erleichterung in der Diagnose und Information von Wartungs- und Servicedaten darstellt“, so Schnabl.

Mehr Möglichkeiten im Werkstattalltag

Der praktische Nutzen zeigt sich vor allem bei modernen Assistenz- und Sicherheitssystemen. Eingesetzt wird SERMI bei KFZ Schnabl heute unter anderem bei Arbeiten an der Lenkung, an elektronischen Bremskomponenten, bei ADAS-Systemen, der Schlüsselprogrammierung, beim Komponentenschutz oder bei der Freischaltung von Anhängevorrichtungen und Steuergeräten.

Schnabl sieht allerdings noch Verbesserungspotenzial: Nicht alle Fahrzeughersteller würden derzeit dieselben Bauteile als sicherheitsrelevant einstufen. Dadurch entstünden Unterschiede beim Datenzugang. Besonders wichtig sei, dass freie Werkstätten Arbeiten nun wieder selbst im Betrieb durchführen können. „Man kann dadurch die Arbeiten im Betrieb belassen und nicht wie so oft, dass der Originalist die benötigten Maßnahmen durchführt“, erklärt Schnabl. Gerade für unabhängige Betriebe bedeutet das einen wichtigen Schritt, um auch bei modernen Fahrzeugen wettbewerbsfähig zu bleiben und Kunden umfassend betreuen zu können.

Keine markenspezifischen Geräte notwendig

Entgegen manchen Befürchtungen seien für den Einstieg keine umfassenden Investitionen in markenspezifische Diagnosegeräte erforderlich gewesen. Laut Schnabl können heute viele freie Diagnosesysteme die sogenannte PassThru-Herstellerdiagnose durchführen. Auch die Software der Fahrzeughersteller sei in vielen Fällen kostenlos verfügbar. Verrechnet würden meist lediglich die tatsächlich genutzten Diagnosezeiten.

Die eigentlichen Kosten der Zertifizierung beziffert Schnabl mit rund 750 Euro netto für die SERMI-Zertifizierung bei KIWA sowie weiteren 534 Euro netto für die Stichting Global Network Group TIC. Für ihn ist die Investition jedenfalls sinnvoll. „Ja auf jeden Fall, auch wenn man SERMI nicht jeden Tag verwendet, ist es gut zu wissen, dass man für die Zukunft als markenunabhängiger Betrieb gerüstet ist“, betont Schnabl.

Wettbewerbsfähigkeit freier Werkstätten stärken

Die Einführung von SERMI gilt in der Branche als wichtiger Schritt für den diskriminierungsfreien Zugang zu Reparatur- und Wartungsinformationen. Gerade freie Werkstätten sehen darin eine zentrale Voraussetzung, um auch künftig komplexe Arbeiten an modernen Fahrzeugen durchführen zu können.

Für Betriebe wie KFZ Schnabl ist der Zugang deshalb weit mehr als nur eine zusätzliche Zertifizierung. Vielmehr wird SERMI zunehmend zur Grundlage dafür, moderne Fahrzeuge unabhängig warten, diagnostizieren und reparieren zu können — und damit langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

  • Was ist SERMI? Einheitliches EU-Zertifizierungssystem für den Zugriff auf sicherheitsrelevante Fahrzeugdaten und Diebstahlschutzfunktionen.
  • Ziel: Einheitlicher Zugang statt Einzelregistrierung bei jedem Fahrzeughersteller.
  • Neue EU-Regelung 2026: Erweiterter Datenzugriff für E-Mobilität, ADAS, Softwareupdates und Variantencodierungen.
  • Neue Zugangswege: Neben OBD künftig auch Ethernet, WLAN und Remote-Zugriffe.
  • API-Schnittstellen: Verpflichtende APIs für Ferndiagnosen innerhalb von 12 Monaten nach Inkrafttreten.
  • Typische Arbeiten: Schlüsselprogrammierung, Wegfahrsperren, Türschlösser, Steuergeräte.
  • Remote-Service-Anbieter: Auch Anbieter von Fernprogrammierungen benötigen künftig entsprechende Sicherheitsstandards.
  • Zertifizierungsstellen: In Österreich KIWA oder Global Network Group (GNG).
  • Unterlagen Betrieb (IO): Gewerbeberechtigung, Haftpflichtversicherung, Vertrauenswürdigkeitsnachweis.
  • Unterlagen Mitarbeiter (IOe): Strafregisterauszug, Qualifikationsnachweis, Smartphone für Identitätsprüfung.
  • Kosten: Rund 350–450 Euro für Betrieb inkl. eines Mitarbeiters, weitere Mitarbeiter extra.
  • Bearbeitungsdauer: Meist 5 bis 10 Werktage nach vollständiger Einreichung.
  • Gültigkeit des Zertifikats: 5 Jahre.
  • Umsetzungsstufen:
    3 Monate: Diagnoseintegration
    6 Monate: Variantencodierung
    12 Monate: APIs
    24 Monate: vollständige Softwareupdate-Vorgaben
  • Wichtig zu wissen: Basisfunktionen wie VIN-Auslesen oder Fehlercode-Löschen bleiben auch ohne SERMI möglich.
Michael Schnabl
Landesinnungsmeister Michael Schnabl © Oskar Hoeher